fullscreen : Sozialismus und Regierung

Schneller  Wechsel  ist  zwar  nicht  ausgeschlossen,  wie  wir  es  gelegentlich
in  den  letzten  Tagen  des  Mittelalters,  an  der  Neige  des  18.  Jahrhunderts ­
  und  beim  Siege  des  Entwicklungsgedankens  beobachten
können 1 .  Aber  wenn  sich  einzelne  oder  Organisationen  gewaltsam
gegen  den  allgemeinen  Willen  aufbäumen,  konzentriert  er  seine  Kraft
und  erzeugt  als  Form  der  Notwehr  eine  Reaktion.  Seine  Stärke,  Erleuchtung ­
  und  Bereitwilligkeit  bestimmen  das  Tempo  und  die  Richtung ­
  des  Fortschrittes,  und  wenn  Politiker  von  der  öffentlichen
Meinung  als  einer  sie  überwachenden  Instanz  sprechen,  so  ahnen  sie
die  Macht  und  die  Unabhängigkeit  dieses  Willens.  Die  Konservativen
zollen  seiner  Beständigkeit  übertriebene  Ehre,  während  die  individualistischen ­
  Radikalen  und  jene  Sozialisten,  die  die  Irrtümer  der  radikalen ­
  Politik  teilen,  seine  gewaltige  Widerstandsfähigkeit  gegen  Veränderungen ­
  nicht  zu  schätzen  vermocht  haben,  wenn  gegen  ihn  Sturm
gelaufen  wird,  anstatt  ihn  zu  überreden.  Selbst  wenn  wir  uns  also  eine
gewaltsame  soziale  Revolution  als  möglich  vorstellen  können,  so  wäre
ihr  einziges  mit  Gewißheit  vorausbestimmbares  Ergebnis  eine  wütende
Reaktion  des  allgemeinen  Willens,  der  sich  zur  Verteidigung  der  allgemeinen ­
  Sitte  und  Gepflogenheiten  entschlossen  erhebt.
Sozialisten  sollten  deshalb  den  Staat  und  die  politische  Gewalt  nicht
als  Ausdruck  einer  Mehrheitsherrschaft  oder  desW  illens  einer  Partei  auffassen, ­
  sondern  sollten  in  ihnen  die  Verkörperung  des  Lebens  der  ganzen
Gemeinschaft  erblicken,  die  sich  durchVererbungVeränderungen  widersetzt,
  gleichzeitig  aber  alle  Potenzen  größerer  Vervollkommnung  in  sich

birgt,  weil  ihre  Vergangenheit  in  ihrer  Zukunft  Früchte  tragen  muß 2 .

B.  VOLK  UND  PARLAMENT:  DIE  PROBLEME  DER
VOLKSGESETZGEBUNG

s  handelt  sich  hier  durchaus  nicht  um  bloße  akademische  Unterscheidungen ­
  oder  um  Variationen  im  Gebrauche  des  Ausdruckes.

Die  Unterschiede  sind  wirklich  vorhanden,  sie  sind  in  den  Tatsachen

In  dieser  Beziehung  scheinen  die  Experimente,  die  De  Vries  im  Anschluß  an
nie  Versuche  von  Mendels  unternommen  hat,  ein  neues  Licht  über  die  Bewegungen ­

  des  allgemeinen  Willens  zu  verbreiten.  DieBedingungen  unter  d
die  Revolutionen  dauerhafte  Ergebnisse  erzeugt  haben  gehören  sicherUcü  zu
den  offenbar  wichtigsten  Zweigen  der  soziologisc  en  ,  r.i-herSorsfalt  unternoch
  niemand,  soviel  ich  weiß,  diese  Sache  f't  w.ssenschaf  thche^^Sorgfalt  unte£
sucht  2  Ich  brauche  wohl  kaum  meine  Leser  daran  zu  erinnern,  daß  die  in
diesem  Abschnitte  vorgetragenen  Ansichten  von  der  Annahme  ausgehen,  daß
sich  die  Gesellschaft  als  Ganzes  und  nicht  bloß  eine  Klasse  in  ihr  zum  Soziali

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