72 Die schriftlichen Arbeiten der Mitglieder
das Interesse für viele Fragen in die weitesten Kreise ge-
drungen und das Bedürfnis nach gründlicherer Belehrung
und besserer Erkenntnis der Wahrheit bei vielen in hohem
Maße geweckt und lebendig geworden ist. Vor allem dort,
wo es sich um die tiefere Erforschung und Begründung,
Verteidigung und Erklärung der Wahrheit handelt, wird
jeder Beitrag von berufener Seite stets höchst willkommen
sein, zumal gegenüber den rastlosen Bemühungen, mit
denen vielfach grundstürzende negative und radikale An-
schauungen verbreitet werden.
Alfons Pisanus antwortet in seiner Denkschrift an Claudius
Aquaviva (bei Bernh, Duhr, Geschichte der Jesuiten in den Ländern
deutscher Zunge 1 [Freiburg 1907] 647 f) auf diese erste Schwie-
rigkeit: In der Tat ist schon vieles geschrieben worden, aber nicht
vieles, was vollständig genügt; manches schlägt nicht völlig durch.
Er betont auch wiederholt die Notwendigkeit gründlicher monogra-
phischer Arbeiten: secus „Petrus in cunctis, in singulis nullus“.
2. Doch noch häufiger kann man eine andere Antwort
vernehmen, die sich auf das zweite Vorurteil stützt und
dabei noch den Vorteil hat, sich in das stets achtenswerte
Gewand der Bescheidenheit zu hüllen. Gar viele sind näm-
lich nur zu leicht bereit, die Arbeit eben den „berufenen“
Kräften zu überlassen: „Ich bringe ja doch nichts zustande;
ich weiß gar nicht einmal, wie ich die Sache anpacken
sollte“.
Alle Achtung vor der heiligen Bescheidenheit und
Demut, vorausgesetzt daß sie innerhalb der Grenzen der
Wahrheit bleibt. Aber in sehr vielen Fällen scheint mir
hier diese Tugend keine Existenzberechtigung zu haben,
weil sie mit der Wahrheit nicht übereinstimmt und die
vorgeschützte Unkenntnis sich auf leichte Weise heben
Jäßt. Man darf nur nicht von der Meinung ausgehen, daß
einzig und allein die im großen Stile betriebene Forscher-
arbeit des Gelehrten, der alle Bibliotheken und Archive
Europas: und noch dazu des Orients durchstöbert, den
Namen einer wissenschaftlichen Arbeit verdiene. Diese Art
wird freilich nur wenigen bevorzugten Kindern Fortunas
beschieden sein. Daneben gibt es aber auch in dem