Schriftliche Seminararbeiten ‚ö
handlung, die zur Besprechung gelangt, einige Zeit vorher
im Seminarlokal für alle Mitglieder zur Einsichtnahme auf-
gelegt würde.
6. In der festgesetzten Stunde wird die Abhandlung ent-
weder vollständig vorgelesen oder in einem freien Vortrag
nach dem Hauptinhalt so vorgelegt, daß den Mitgliedern
ein klares Bild vom Gang der Untersuchung, den Haupt-
ergebnissen und den wichtigsten Beweisen für die einzelnen
Punkte geboten wird. Die sich anschließende Besprechung
bietet gewöhnlich Gelegenheit zur Hervorhebung eines be-
sonderen Punktes, bei welchem die Untersuchung noch
weiter einsetzen kann, sowie zu sonstigen methodischen
und praktischen Bemerkungen. Eino rege Beteiligung seitens
der Mitglieder ist bei der Besprechung sehr wünschenswert
und bei einiger Anregung auch erreichbar, namentlich wenn
sich die Studierenden vorher mit der Arbeit etwas bekannt
machen konnten.
H. Schrörs meint in seiner öfters angeführten Besprechung, daß
eine Kritik eingelieferter Arbeiten durch andere Studierende ihre Be-
denken habe. „Der große Zeitverlust, die Gefahr, daß das Niveau der
Diskussion zu sehr sich senkt, und die berechtigte Forderung, persön-
liche Empfindlichkeiten zu schonen, stehen entgegen. Der Lehrer wird
sich zu dem Opfer entschließen müssen, derartige Arbeiten unter. vier
Augen durchzusprechen“ (Deutsche Litztg. 29 [1908] 3083).
Die angeführten Schwierigkeiten haben eine gewisse Bedeutung.
Sie lassen sich aber mit der nötigen Vorsicht und Klugheit in der
Praxis leidlich überwinden, und auf der anderen Seite stehen ihnen so
große Bedenken gegenüber, daß man wohl in der von uns empfohlenen
Weise das geringere Übel erkennen darf. Denn die Arbeiten der ein-
zelnen Mitglieder überhaupt nicht zum öffentlichen Vortrag im Seminar
zuzulassen, geht nicht an, und wird auch von Prof. Schrörs wohl nicht
beabsichtigt. Den Vortrag ohne jede Kritik hinzunehmen, scheint ebenso
unmöglich, und daß der Lehrer allein eine Kritik abgebe, hat gleichfalls
seine großen Schwierigkeiten. So wird er zwar nicht das Opfer einer
Durchsprechung unter vier Augen sich ersparen können, aber doch den
gemeinsamen Nutzen aller Mitglieder durch den öffentlichen Vortrag
wie durch eine gut geleitete Kritik seitens des Referenten und Kor-
referenten zu dienen suchen müssen.
Die verschiedenen Arten von wissenschaftlichen Arbeiten
wollen wir nun im folgenden etwas eingehender erörtern.
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