6 Dreiundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
wicklung zugrunde liegende Prinzip waren nicht erst eine
Schöpfung der Zeit der Freiheitskriege und auch nicht der Zeit
der vor ihnen liegenden nationalen Bedrängnis; sie gehen bis
in den Anfang der neunziger Jahre des 18. Jahrhunderts,
wenn nicht noch weiter zurück.
Fürwahr: es war innerhalb des Verlaufes der deutschen
Geschichte zwischen 1750 und 1815 eine Entwicklung von einer
Selbstsicherheit fast ohnegleichen. Was damit auf wissenschaft⸗
lichem Gebiete gewonnen wurde, kann hier nur gestreift
werden!. Renan hat dafür in einem einzigen Satze denk⸗
würdige Worte gefunden?: „L'Allemagne aà tiré des Uni-
versités, ailleurs avoeugles et obstinées, le mouvement
intellectuel le plus riche, le plus flexiblo, le plus varié,
dont l'histoire de l'esprit humain ait gardé le souvenir.“
Wichtiger sind in unserem Zusammenhange die politischen
Folgen.
Die Universitäten waren im 18. Jahrhundert und sind
noch heute mehr oder minder selbständige Körperschaften
ursprünglich mittelalterlichen Rechtes; als verfassungsgeschicht⸗
liche Ausnahmeerscheinung waren und sind sie stehen geblieben in
einem Gehäuse von Staaten, das sonst die mannigfachsten Um⸗
und Ausbauten erlebt hat. Das gab ihnen, sobald sie nur im
Geiste selbständig waren und wurden, alsbald auch eine besondere,
selbständige, öffentliche und damit schließlich politische Stellung
nach außen. Die Rolle, welche die Universitäten daraufhin in
der Geschichte der deutschen Einheitsbewegung des 19. Jahr⸗
hunderts gespielt haben, ist bekannt. Sie war nicht ein
Produkt der Umstände erst des 19. Jahrhunderts. Sie beruhte
auf den Leistungen und der Stellungnahme der Universitäten
seit den Frühzeiten des Subjektivismus. Und wenn heute
noch, gleichsam jenseits der parlamentarischen Vertretungen der
Nation, in besonders schweren Läuften der inneren Politik
in Fragen vor allem höchster geistiger Art die Universitäten
Genaueres im zehnten Bande
3 Allemagne et Italie S. 2331.