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miesen hat. In jeder Großstadt alle paar hundert Schritt ein Zigarrenge
schäft. „Das bedeutet, daß die Arbeit eines Armeekorps allein in Berlin
dazu nötig ist, um Taback zu verteilen". (Friedenswirtschaft, S. 37. In ein
zelnen. Stadtteilen -gibt es kaum ein Hädserviereck, das nicht ein Seifen
geschäft oder einen Papierladen in sich birgt. Konsumvereine werden in
immer wachsendem Maße die volkswirtschaftlichen. Verteilungsaufgaben
dieses verteuernden Kleinhandels an sich ziehen und ihn allmählich bis auf
einzelne Reste ganz ausschalten. Die Konsumvereine werden auch Unmittel
bar mit den Erzeugern in Verbindung treten und so den bisher viel zu
langen, umständlichen und kostspieligen Weg der Waren vom Erzeuger bis
zum Verbraucher ganz wesentlich abkürzen und verbilligen. Wahrscheinlich,
daß der Anteil des Verbrauchers als solchen und seiner Vereinigungen,
der Konsumvereine an der gänzlichem Umgestaltung der Volkswirtschaft
Zufolge allmählich llebergang zur Eigenwirtschaft durch Gründung von
Fabriken, Bäckereien, Schlächtereien, Druckereien sowie Ankauf uUd Be
wirtschaftung von Landgütern ebenso groß sein wird wie der der Produzen
ten durch Bildung von Produktivassoziationen und des unmittelbaren Ein
griffs der Gesetzgebung. Der Eenossenschaftsgesdanke wird weitere unge
ahnte Fortschritte erzielen, lleberhaupt wird der Wille zur menschlichen
Solidarität, der wirtschaftliche und ethische Gemeinschaftsgedanke mächtig
um sich greifen. „In Wahrheit brennt die alte Wirtschaftsordnung nieder
und es naht die Zeit, wo der alte Unterbau Iber Gesellschaftsordnung sich
entzündet" (Rathenau, „Die neue Wirtschaft", S. 84). Ein neuer Geist
aber tut uns.vor allem dringend not. Die ganz einseitige materialistische
Betrachtungsweise der Dinge, wie sie Marx und mit ihm dem wissenschaft
lichen Sozialismus und der deutschen Sozialdemokratie zu eigen 'war, muß
einer geistigen Blickrichtung Platz machen. Zurück auf ^Kant muß die Lo
sung sein, wir find nicht nur wirtschaftliche Wesen, wie uns der Marxismus
in seiner Reinkultur glauben machen will, sondern auch, ja sogar in erster
Linie, denkende, geistige uns Zwecke ünd Ziele setzende Wesen, nicht nur
von blindem Kausalitätsgesetz getriebene Glieder des Naturreichs, sondern
Bürger zweier Welten. Der Wille zur Gemeinschaft muß uns alle
durchdringen- und als edles Feuer durchlodern, als Einzelne sind wir nichts,
als Gesamtheit alles, bei Konflikten muß das Einzelinteresse dem der Ge
samtheit unbedingt weichen. Alles Privatrecht ist nur durch den Willen
der Gesamtheit verliehen, eiü angeborenes, heiliges und unverletzliches Pri-
vateigentlum gibt es nicht, es ist nur,ein von der Allgemeinheit -stuf
Widerruf verliehenes Amt, das bei schwerem Mißbrauch jederzeit soll ent
zogen werden können. Das war von je gut altdeutsche Rechtsauffassung.
Wir müssen uns durchaus freimachen von der Auffassung, als ob das Eigen
tum an allen Produktionsmitteln für alle Zeiten dem Einzelnen zukom
men, müsse, ewige ökonomische Kategorien gibt es überhaupt nicht, auch für
die Wirtschaftlichen Dinge gilt das Entwickelungsgesetz, „aller fließt" und
nichts ist beständig als der Wechsel.
Nur die restlose Verwirklichung dieses neuen Eemeinfchaftswilltns,
dieser Bereitschaft alle unsere kleinen Privatinteressen dem Wohl der Ge
samtheit bedingungslos unterzuordnen und, wenn es fein muß,