Full text: Neuzeitliche Krüppelfürsorge

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Krüppeln an körperlichen Defekten bei Bedienung der Maschinen 
fehlte, wurde ihnen durch einfache Hilfsvorrichtungen erseßt. Hier- 
durch entlasten diese Krüppel sehr wesentlich die Krüppelheime, und, 
indem sie im Elternhaus verbleiben können, werden erhebliche Kosten 
erspart. Es wurde ihnen auch die Benutzung eines Selbstfahrers für 
den Weg von der Wohnung bis zur Arbeitsstelle und zurück bewilligt 
oder die Kosten der Bahnfahrt übernommen. Eine Heimarbeitsstelle 
für Frauen hat dort 25 jugendliche weibliche Krüppel im Nähen, 
Stopfen und Stricken ausgebildet. Eine Arbeitsstatistik der Krüppel 
von Dortmund vom 1. Januar v. Js. zeigt, daß dort nach Abschluß 
der Krüppelbehandlung 80 männliche und 68 weibliche Krüppel in 
Arbeit standen, während 48 Krüppel noch ohne jede Arbeit waren. 
Daß Krüppel auch in einer Fabrik mit Erfolg beschäftigt werden 
können, geht aus dem Beispiel des bekannten amerikanischen Auto- 
fabrikanten Ford hervor. Er schreibt: „Man neigt nur allzusehr zu 
der Meinung, daß Vollbesit der Kräfte Grundbedingung zur Höchst- 
leistung bei jeder Art von Tätigkeit ist. Um die tatsächlichen Verhält- 
nisse genau zu bestimmen, ließ ich die verschiedenen Verrichtungen 
unseres Betriebes in Bezug auf die erforderliche Arbeitsleistung bis 
ins einzelne klassifizieren ~ ob die körperliche Arbeit leicht, mittel- 
mäßig oder schwer sei, ob sie naß oder trocken und wenn naß, mit 
welcher Art von Flüssigkeit verknüpft, ob sauber oder schmutzig, in 
der Nähe eines Schmelzofens, in guter oder schlechter Luft, ob zwei- 
händig oder einhändig, sitzend oder stehend, lärmend oder leise, bei 
natürlichem oder künstlichem Licht, ob sie Anspruch an Genauigkeit 
stellte, den Zeitbedarf der zu bearbeitenden Teile, das Gewicht des ge- 
handhabten Materials, die dafür erforderlichen Anstrengungen seitens 
des Arbeiters. Es stellte sich heraus, daß es z. Zt. 7882 verschiedene 
Arten von Verrichtungen in der Fabrik gab. Von diesen waren 949 
als Schwerarbeit bezeichnet, die absolut gesunde kräftige Männer er- 
forderte; 3338 erforderten Männer von normal entwickelter Körper- 
kraft, die übrigen 3595 Verrichtungen erforderten keinerlei körperliche 
Anstrengungen, sie hätten von den schmächtigsten, schwächlichsten Män- 
nern, ja, mit gleichem Erfolg von Frauen oder älteren Kindern geleistet 
werden können. Diese letzten Arbeiten wurden wieder unter sich klassifi- 
ziert, und wir stellten fest, daß 670 Arbeiten sich von Beinlossen, 2637 sich 
von Einbeinigen, 2 von Armlosen, 715 von Einarmigen, 10 von Blin- 
den verrichten ließen. Von 7882 verschiedenen Tätigkeiten erforderten 
4034 wohl eine gewisse, doch nicht volle Körperkraft. Folglich ist die 
vollentwickelte Industrie imstande, voll bezahlte Arbeit für eine größere 
Anzahl minder tauglicher Arbeiter zu liefern, als im Durchschnitt einer 
ärztlichen Gesellschaft zu finden sind. Zur Zeit der heutigen Statistik 
waren bei uns 9563 körperlich unter dem Durchschnitt Stehende be- 
schäftigt. Von diesen hatten 123 verkrüppelte oder amputierte Arme
	        
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