Full text: Neuzeitliche Krüppelfürsorge

Di e jährliche Unterrichtszeit beträgt in der Regel min- 
destens 240 Stunden, die im allgemeinen auf 40 Wochen zu verteilen 
sind. Die Zahl der wöchentlichen Unterrichtssstunden beträgt demnach in 
der Regel 6; Unterrichtsfächer sind Deutsch, Geschäfts- und Bürger- 
kunde, Zeichnen und Fachunterricht. über den Religionsunterricht in 
der Fortbildungssschule ist vom Ministerium aus bisher nur der Mini- 
sterialerlaß vom 26. März 1897 bekannt, wonach der Religions- 
unterricht nicht als Pflichtfach im Stundenplan der Fortbildungs- 
schule sich findet, wo aber den Geistlichen beider Konfessionen die 
Räume der Fortbildungsschule im Anschluß an den Unterricht zur 
Verfügung gestellt werden sollen; viele Kommunalverbände, die heute 
Berufsschulen einrichten, haben aber auch den Religionsunterricht als 
Pflichtfach in den Lehrplan aufgenommen. Es ist erfreulich, daß 
wenigstens in den Erläuterungen zum Gesetz von 1923 unter den all- 
gemeinen Grundsätzen für den Unterricht sich auch folgender Abschnitt 
findet: „Der Unterricht in der Fortbildungssschule hat auf die Eigenart 
des Lebensalters zwischen dem 14. und 18. Lebensjahre Rücksicht zu 
nehmen. Das gesteigerte Ehrgefühl und der Drang zur Selbständigkeit 
sind für die Erziehung nutzbar zu machen. Besonderer Wert ist darauf 
zu legen, daß die Bildung des Charatters auf sittlich-religiöser Grund- 
lage gefördert wird.“ 
Wenn wir uns den Lehrplan einer modernen Fortbildungs- 
schule genau ansehen, so werden wir finden, daß das Hauptstreben auf 
einen ausgesprochenen Fachunterricht gerichtet ist. Unsere größeren 
Städte haben daher heute schon zur harmonischen Verschmelzung von 
theoretischem Wissen und praktischer Arbeit ihren Berufsschulen eigene 
Lehrwerkstätten angegliedert, in denen ausgesprochene Qualitätshand- 
arbeit geleistet wird. Die Berufsschulen der mittleren und kleineren 
Städte werden folgen, sobald ihre Finanzen es nur irgendwie 
erlauben. 
So sucht das Handwerk durch intensivste Ausbildung in der 
modernen Berufsschule seinen Nachwuchs zu tüchtigen Gesellen und 
Meistern heranzubilden, um so dem Handwerk den goldenen Boden 
zu bereiten. 
Der oben skizzierten modernen Berufsschule mit geprüften Ge- 
werbelehrern, mit Schülern, die körperlich gesund, die alle 8 Jahre lang 
die Volksschule besucht, mit einem ausgesprochenen Fachunterricht in 
wenigstens 6 und noch mehr Wochenstunden, steht die Anstaltsfortbil- 
dungsschule des Krüppelheims gegenüber mit keinem geprüften Ge- 
werbelehrer, sondern Volksschullehrern, die sich zwar im Laufe der 
Jahre außerordentlich in die Eigenart der Fortbildungsschule einge- 
arbeitet haben, mit Schülern, die nur zum kleinsten Teile in einer Volks- 
schule 8 Jahre gediegenen Unterricht bekommen haben, deren größter 
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