mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 161
Sombart hat seine Erwägungen über zweckmäßige Wirt-
schaftsstufen in den beiden Auflagen seines Werks „Der moderne
Kapitalismus“ (1902 und 1916 ff.) fortgeseßkt. Im Vorder-
grund stehen ihm die Gegensätze der Bedarfsdeckungs- und der
Erwerbswirtschaft; jene faßt er als Zeichen des vorkapitalisstisschen
Zeitalters, insbesondere auch des echten Mittelalters, diese
als Zeichen des kapitalistischen Zeitalters. Das Bedarfsdeckungs-
prinzip geht nur darauf aus, den erforderlichen Bedarf des wirt-
schaftenden Menschen zu decken, den hergebrachten Lebensstand
aufrechtzuerhalten. Von ihm sind im Mittelalter Handwerk,
Handel, Landwirtschaft, Verkehr gleichmäßig beherrscht, oder,
wie man auch sagen könne, alle diese Zweige des Wirtschafts-
lebens hatten damals eine handwerksmäßige Art. Das Er-
werbsprinzip dagegen richtet sein Ziel auf größtmöglichen Ge-
winn; jett regiert der Handel; alle Produktion hat jetzt den
Charakter des kaufmännischen Unternehmens. Der unter-
schied lasse sich auch so formulieren, daß die Wirtschaftsführung
des Mittelalters traditionalisstisch ist, auf einer gedankenlosen
Befolgung überkommener Regeln beruht, während die rationa-
listische Wirtschaftsführung der kapitalistischen Zeit den bewuß
ten Willen zu einer grundsätzlichen Zweckmäßigkeit aller wirt-
schaftlichen Tätigkeit besittt und bekundet.
Nicht wenige andere Versuche sind dem Sombart’schen
Versuch der Bildung einer Stufentheorie zur Seite gegangen
und nachgefolgt!). Oder man hat sich bemüht, die Zeichnung
schaftlichen Kultur nicht vergessen. Vgl. Deutsche Zeitschrift für Ge-
achichtswissenschaft N. F. 1, 129 f. und meine Bemerkungen in H: Z.
81, 256 f. Lamprechts Schema ist dadurch zustande gekommen, daß
er Hildebrands Stufentheorie und Jakob Burckhardts Anschauung
von dem Gegensatz der Gebundenheit des mittelalterlichen Menschen
zu dem Individualismus des modernen miteinander verbunden und
beide teils ins grobe übersett, teils mißverstanden hat. Er operiert
einseitig mit den Schlagwörtern Naturalwirtschaft, Geldwirtschaft,
Individualismus.
1) Vgl. oben S. 145, Anm. 1. Koppers a. a. O. gibt eine Kritik,
die sich ganz im Rahmen unferer Darlegungen hält, und verzeichnet
uch weitere kritische Stimmen. S. daselbst die Literatur über die
v. Be low, Wirtschaftsgeschichte 2. Aufr