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hat sie heute? Die ökonomische Grundlage der geistigen Arbeit
war der bürgerliche Erwerb. Der bürgerliche Erwerb, der insbesondere
bei den freien Berufen alten und neuen Stils, also bei
dem Anwalt und bei dem Baumeister vorlag, führte direkt zur
Vermögensbildung. Aber auch dort, wo Gehalt vorlag, war
das Gehalt nicht das Wesentliche. Das Gehalt war auch nicht
in erster Linie als Lohn gedacht. Daher kam es, daß z. B.
geistige Berufe mit hoher Qualifikation manchmal viel weniger
bezahlt bekamen als ein Arbeiter, weil der Gehalt ja nur einstweilen
ein Unterhaltsbeitrag war, ein Vorschuß auf die große
Zukunft. Darum hat man den richterlichen Beamten, die Verwaltungsbeamten,
die in den Dienst eintraten, ein Jahr, zwei
Jahre, drei Jahre gar nichts bezahlt, und sie haben doch Arbeit
geleistet. Die Bezahlung war nicht als Lohn empfunden, sondern
was man bekam, diente als Beihilfe zur Einrichtung einer
klein- oder großbürgerlichen Lebensstellung. Man bezahlte in
späteren Jahren einen hohen Gehalt, den dem Lohn gleichzustellen
auch ökonomisch unrecht gewesen wäre, denn dieses Gehalt
war in der Regel ein Gewinnanteil in irgendeiner Form,
und dieser Gewinnanteil wurde später auch geleistet in der
Form, daß z. B. der langjährige Direktor, zu dem man Vertrauen
hatte, zum Kompagnon oder gar zum Schwiegersohn
gemacht wurde. Es war also immer ein Beteiligungsverhältnis
und Gehalt hat etwas anderes geheißen als heute. Heute ist
Gehalt nur ein schönerer Name für Lohn. Aber Lohn ist eine
ganz andere ökonomische Kategorie. Es ist ein Äquivalent für
die schon geleistetete Arbeit, nicht eine Zukunftsanweisung auf
Begründung einer Lebensstellung, er ist etwas, was man nur
monatlich bekommt oder —~ nicht bekommt, wenn man außer
Stellung ist, was aber mit dem Menschenleben als ganzem
keinen direkten Zusammenhang hat. Freilich hat dieser Lohn
noch eine Eigentümlichkeit besonders in Industrie und Handel,
im Bankwesen. Da wird dem Lohn noch oftmals etwas hinzugefügt,
was an die alte Anteilnahme an dem Unternehmen erinnert,
nämlich eine Tantieme oder mindestens eine Prämie.
Das sind neue Formen der Anteilsbegründung. Aber der Grundstock
ist der Lohn. Damit auch hier wieder die Pyramide ohne
Übergänge verlaufe, bekommt nun auch der besser qualifizierte
Lohnarbeiter wenigstens eine Prämie. Die ökonomische Grundlage
ist Lohn, also ist der geistige Arbeiter Lohnarbeiter geworden,
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