Argentinien.
fuhr. Die Besteller des größten Teils der drei genannten
Hauptartikel der Einfuhr sind der Staat für öffentliche Bauten
und Anlagen, sowie die ausländischen Gesellschaften für
Eisenbahnen, Elektrizität, Straßenbahnen usw., ferner die Be-
sitzer der Textilfabriken, die größtenteils Ausländer sind.
Rechnet man hierzu noch die gewaltige Übertreibung der
Einfuhr. durch die Spekulation, so sieht man, daß die Zu-
nahme der Einfuhr in Argentinien unmöglich nur die Folge
der Zunahme des Wohlstandes sein kann. Der größere
Teil der Einfuhr hat mit den eine Besserung der materiellen
Lage des Volkes anzeigenden Verbrauchsartikeln nichts zu
tun, sondern dient einfach dem fremden Kapital dazu, unter
Ausnützung der Verhältnisse des Landes den ausländischen
Gesellschaften und Unternehmern neue Werte zu Schaffen.
Freilich hat auch .eine Vermehrung der Einfuhr von Ver-
brauchs- und Luxusgegenständen stattgefunden, aber lange
nicht in dem Maße wie die das Emporschnellen der Ein-
fuhr ausmachenden Materialien für Bauten und Verkehrs-
anlagen. Während z. B. im Jahre 1904 keine Einfuhr von
Eisenbahnmaterial stattgefunden hatte, betrug diese 1905
23362431 P.G. und 1906 35055364 P. G. Die Hälfte der
ganzen Einfuhrzunahmen von 1905 auf 1906 besteht nur in
Eisenwaren, Eisenbahnmaterial und Textilwaren.
Man darf auch nie vergessen, daß. in Argentinien Aus-
und Einfuhr sich nie in der Weise gegenseitig bedingen wie
in anderen Ländern, denn die Ausfuhr beruht ja nur auf Er-
zeugnissen der Landwirtschaft. Da nun die Landwirt-
schaft und die Viehzucht größtenteils von kleinen Land-
wirten und Pächtern betrieben wird, so trifft eine Schlechte
Ernte oder Krankheit des Viehes in erster Linie diesen Kreis
von Menschen und die Masse des Volkes nur mittelbar da-
durch, daß bei schlechtem Ausfall der Ernte die Getreide-
preise ungeheuer steigen, da man möglichst viel auszuführen
sucht und der geringe im Lande verbleibende Rest sehr hoch
bezahlt wird. Ebenso steht es mit dem Fleisch. Damit
sinkt natürlich die Kaufkraft der großen Masse bedeutend.
Würde nun die Einfuhr nach dem Bedarf und Verbrauch
sich richten, so müßte sie nach einem Jahr mit geringer
Ausfuhr sinken. Das ist aber nicht der Fall, weil die Ab-
nehmer der Einfuhrgegenstände vielfach ganz andere Menschen
sind als die von dem Ausfall der Ausfuhr betroffenen. Ein
Beispiel: Durch Mißernte ist die Ausfuhr stark gefallen und
damit die Kaufkraft des Landes. Gleichzeitig sind auswärtige
Gesellschaften dabei, noch unbebaute Provinzen durch Bahn-
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