Full text: Forstwirtschafts-Politik

der Forst- und Holzwirtschaft 
Der volkswirtschaftliche Effekt der Forst- und Holzwirtschaft eines Landes kommt 
zum Ausdruck in seiner H o [z b i l anz, welche die Beziehungen zwischen der Eigen- 
ge winnung (0), der E inf uhr (E), der Aus fuhr (A), dem Ver br auch e (V) 
und dem Bedarf (B) an Holz zahlenmäßig erfaßt und zur Darstellung bringt. 
Unter dem Holzverbr au c< (V) eines Landes versteht man diejenigen Holz- 
mengen, die von der Bevölkerung dieses Landes im Inlande selbst gebraucht oder verbraucht 
werden. Bei Ländern mit aktiver Holzhandelsbilanz ist V – G – MA an Rohholz 
und den in Rohholz umgerechneten Halb- und Fertigfabrikaten oder V –~ G A + E. 
Bei Ländern mit passiver Holzhandelsbilanz ist V – Q + ME an Rohholz und den 
in Rohholz umgerechneten Halb- und Fertigfabrikaten oder V –~ G + EA. 
Der Begriff Holz bedar f (B) ist umfangsweiter als der Begriff V. Zu B 
gehören außer V auch noch diejenigen Holzmengen, die als Rohholz, Halb- oder Fertig- 
fabrikate ins Ausland ausgeführt werden und deren Verkauf für den Holzhandel und die 
Verkehrsanstalten und damit indirekt auch für die Volkswirtschaft des betreffenden Landes 
nutzbringend ist: B = V + A. 
Notwendige Voraussetzung für die Aufstellung der Ho lz bil a nz eines Landes 
ist also die Fixierung von C einerseits und die seiner Einfuhr und Ausfuhr und deren 
Verhältnis zueinander, der H o lz h ande ls bil anz anderseits. Erst auf der Grund- 
lage der Eigengewinnung und der Holzhandelsbilanz lassen sich V und B zahlenmäßig 
erfassen. 
Zur Fesststellung von V und B gibt es vorläufig nur diesen mittelbaren Weg. Die 
unmittelbare Erfassung von V und B ist zur Zeit nicht möglich, weil eine umfassende Holz- 
verbrauchs- und Holzbedarfsstatistik bis heute noch in keinem Lande existiert und wohl 
auch in absehbarer Zeit nirgends durchführbar sein wird. Der Aufmachung einer solchen 
Statistik stehen allenthalben schier unüberwindliche Hindernisse entgegen, die wohl auch nie 
und nirgends ganz aus dem Wege geräumt werden können. So daß man also immer 
und überall auf eine indirekte Ermittlung von V und B angewiesen sein wird. 
Hier soll nur auf die Holzbilanz des deutschen Wirtschafts- 
g e bi e te s näher eingegangen werden. Einmal deshalb, weil die Mithereinbeziehung 
der Holzbilanzen der übrigen Länder Europas und der Erde den Rahmen dieses Buches 
überschreiten würde, dann aber auch deshalb, weil die zur Zeit verfügbaren Angaben 
über die Holzgewinnung und die Holzhandelsbilanz der meisten Staaten mehr oder weniger 
unzuverlässig sind. Neuerdings hat man begonnen, diesem Mangel durch internationale 
Statistiken abzuhelfen: eine „Internationale Handelsstatisstik“ ist im Ausbau 
begriffen, und vor kurzem hat sich das „Internationale Institut für Acker- 
b a u“ in Rom einer Anregung des Norwegers Fi e l st a d folgend mit dem Problem 
der Schaffung einer „We lt forst st at i st i k“ befaßt:). 
1) Dr. K a h l, Silva, 1921, S. 277 und 335.
	        
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