Full text : Forstwirtschafts-Politik

Cinwirkung auf den Willen der Wirischaftenden. 265
Aus diesen kümmerlichen Ergebnissen der bisherigen Versuche läßt sich der Schluß
ziehen, daß sich durchgreifende Erfolge ohne sta a tl ichen Z w ang kaum erreichen
lassen werden. Selbstverständlich müßte daneben jede freiwillige Genossenschaft, auch wenn
sie sich auf anderen Grundlagen bildet, zu begrüßen und zu unterstützen sein.
Maßnahmen, die auf den Willen der Wirtschaftenden
einzuwirken versuchen.
Neben den im vorausgegangenen Abschnitte behandelten Zwangsmaßnahmen kaun die
forsiwirtschaftspolitische Praxis zur Erreichung ihrer Ziele auch noch von dem Mittel der
Einwirkung auf den Willen der Wirtschaftenden Gebrauch machen. Sie ist ausschließlich
auf dieses Mittel angewiesen, wenn Zwangsmaßnahmen nicht durchführbar sind oder nicht
angängig erscheinen.
Bei diesen Einwirkungen auf den Willen der Wirtsschaftenden handelt es sich um
einfache, wenig komplizierte Dinge; wir können uns deshalb hier ganz kurz fassen und
auf eine Aufzählung der möglichen Einwirkungen beschränken.
Eine Einwirkung auf den Willen der Wirtschaftenden kann auf folgende fünf Weisen
geschehen:
Durch die Verb esss erung des Bildung sniveaus des forstlichen
N achw uch s e s in den forst- und landwirtschaftlichen Schulen;
durch Aufklärung und Fortbildung der gegenwärtigen.
Generation in Fortbildungskursen, auf Waldbaulehrgängen, auf Forstvereins-Tagungen,
 auf Ausstellungen, „grünen Wochen“, durch Verbreitung guter
und billiger, verständlich geschriebener Bücher über Forstwirtschaft usw.;
durch Ber atung der Privatwaldbessitz er durch staatliche Forstbeamte
(Ausführung der Feorsteinrichtungsarbeiten durch Staatsforstbeamte gegen
Bezahlung auf Antrag der Waldbesitzer; Beurlaubung von Staatsforstbeamten zur
Betätigung in Privatforsten usw.);
durch Anr e g un g (Gewährung von materiellen Vergünstigungen an solche Waldbesitzer,
 die in bestimmter als wünschenswert erachteter Weise handeln);
durch Beih il f e : Bereitstelung von Verwaltungs- und Wirtschaftseinrichtungen
und materielle Unterstützungen, wie Versorgung mit einwandfreien Holzsamen und
Pflanzen und ganz oder fast kostenlose Abgabe von Samen und Pflanzen auch
für Neuaufforstungen.
Von besonderer Bedeutung ist die Ver sor gung mit einwandfreien
Holzsa men. Die Frage der Samenh erk un ft wurde zuerst für die Kiefer
aufgeworfen. Die Kiefer weist bei ihrer großen Verbreitung viele klimatische oder Standorts-Rassen
 auf, die sich durch ihre Wuchs- und Schaftform, ihre Rasch- oder Langsamwüchsigkeit
 und ihre Standortsansprüche stark voneinander unterscheiden, während ihre
Zapfenformen schwer und ihre Samenkörner bis heute überhaupt noch nicht genau voneinander
 zu unterscheiden sind. Früher wurde viel südfranzösischer und ungarischer Kiefernsamen
 nach Deutschland eingeführt, weil die Kiefer in Ungarn und Südfrankreich reichlicher
und häufiger Zapfen trägt und ihr Samen deshalb in zapfenarmen Jahren als Ersahz
für einheimischen Samen zu billigen Preisen bezogen werden konnte. Diese Kiefern haben
            
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