E) Natürliche Bedingtheit.
Griechenland , ; M
Dänemark | 8 0)
Niederlande / o
Portugal . . : 5 %a
Großbritannien 4 "/o
Aus diesen Bewaldungs-Prozent-Zahlen, die zwischen 57 °/4 und 4 °/4 schwanken
können, ist deutlich ersichtlich, daß N o r d- und Ost eur o p a viel stärker bewaldet
it als West- und vor allem Südeuropa. In Westeuropa ist
wahrsscheinlieh die Aus breitung des Ack erbaues und der Indusftrie
im HZusammenhang mit dem ozeanischen Klima die Hauptursache der
geringeren Bewaldung, die Waldarmut Süd e ur o p a s dagegen ist in der Haupt-
fache auf die rück sichts lo se Waldverwüstung in früheren Jahrhunderten
zurückzuführen.
In früheren Zeiten machte man des öfteren den Versuch, die „normale
Bewaldun g“ eines Landes nach dem Maßstabe des Holzbedarfs dieses Landes
festzustellen. Derartige Berechnungen sind aber, wie Endres !) ausführt, vollkommen
unzulänglich und unbrauchbar, weil sich die Ausscheidung von Wald und Feld innerhalb
eines Landes ~ wenigstens eines ackerbautreibenden Landes – niemals in erster
Linie von dem Gesichtspunkte der Holzgewinnung aus vollzien. – A=usschlaggebend
ist vielnen der Bedarfs an Nahrungsmitteln für die vorhandene
Bevölkerung auf der einen Seite und die Flächengröße des zur Erzeugung desselben
geeigneten Bodens auf der anderen Seite. Der W a l d aber muß sich wohl oder
übel mit dem Rest der Landesfläche begnügen. Hieraus erklären sich auch
ohne weiters die hohen Bewaldungsziffern des europäischen
Nordens, die deshalb für diesen no r mal sind, weil die Waldwirtschaft
die b e stm ö g liche Aus nutzung dieser Landstriche gewährt.
Bessser als das Bewaldungsprozent eignet sich das Verhältnis der
Waldfläche zur Bevölkerungsdichte zur Fesststelung der zur Deckung
des eigenen Holzbedarfs eines Landes noch notwendigen Waldfläche. Dieses Ver-
hältnis schwankt in Europa in noch weiteren Grenzen als das Bewaldungsprozent.
Wenn man das waldärmste Land Europas (Großbritannien) mit dem waldreichsten
(Finnland) vergleicht, so verhalten sich ihre Bewaldungsprozente etwa wie 1 : 4, die auf
den Kopf der Bevölkerung fallenden Waldflächen aber wie 1 : 229. Aber selbst diese
Verhältniszahlen reichen zur genauen Erfassung des tatsächlichen Verhältnisses noch nicht
aus, weil sie über die Verfassung der Wälder und die Größe der Holzgewinnung beider
Länder, über die Verschiedenheit ihres Klimas und ihrer holzbe- und holzverarbeitenden
Industrie nichts aussagen. E nd r e s hat statistisch nachgewiesen, daß vor dem Kriege
alle Länder mit 0, 35 un d me h r Waldfläche pro Kopf der Bevölkerung Hol z -
aus fuhr l änder waren, d. h. daß sie mehr Holz gewannen, als sie selbst ver-
brauchten, daß dagegen alle Länder mit 0,831 ha und weniger Waldfläche je
Einwohner Holze infuhrl änder waren. Zu diesen gehört auh das Deutssche
Reich, das nur 0,22 ha Wald je Einwohner aufwies und im Zeit-
raume 1907 bis 1913 durchschnittlich jährlceh 15,68 Millionen Festmeter
Nutzholz über seine Eigengewinnung hinaus aus dem Auslande einführen mußte, um
seinen Nutzholzbedarf decken zu können. –
) Endres,l|. e., S. 7.