Full text : Forstwirtschafts-Politik

a2 Natürliche Bedingtheit.
Bedeutungslosigkeit herabgessunken sind, während die Standorte günstiger Transportverhältnisse,
 billiger Arbeitskräfte oder die einer starken Persönlichkeit . . . das werden
konnten, was sie heute sind.“
Standort der holzzerarbeitenden Induftrie.
Hierher gehören die Holzschleiferei, die Zellulosefabrikation und die Holzverkohlungsindustrie.

Die Holz schleif er eien zertrümmern das Holz zur Herstellung von Holz -
\< li f f oder Holz st o f f durch rotierende Schleifsteine nur mechanisch. Dies geschieht
entweder auf trockenem oder auf nassem Wege. Im Deutschen Reiche wird die Holzschleiferei
 meist auf nassem Wege betrieben. Die Holzschleifereien haben sich deshalb meist
im Gebirge und am Wasser angesiedelt; sie sind dort in der Nähe des Rohstoffes Holz und
haben auch fließendes Wasser zur Verfügung, das für sie unumgänglich notwendig ist.
Auch die Zellstoff in d u str i e, welche, wie die Holzschleifindustrie, vor allem in
Sach sen stark vertreten ist, war zunächst rein rohstofforientiert. Mit der Abnahme der
Waldbestände in der unmittelbaren Umgebung ihrer ursprünglichen Standorte wanderte
sie aber von Sachsen aus immer mehr nach Osten, den Wassserwegen entgegen, die das
ausländische, vor allem russische Rohholz heranbrachten, sie wurde also immer mehr
transportorientiert. Auch die in Ostpreußen und am Rhein und Main gelegenen Werke
sind rein transportorientiert. Erstere bezogen ihr Holz vor dem Kriege aus Rußland,
letztere in der Hauptsache aus den nordischen Ländern.
Die Holzv erk oh lung s in du st r i e Deutschlands, deren Entwicklung durch den
übermäßigen Wettbewerb der ausländischen Verkohlungsprodukte, deren zollfreie Einfuhr
nach Deutschland gestattet war, vor dem Kriege stark gehemmt wurde, gewann erst im
Kriege eine erhöhte Bedeutung. ~ Bei der Verwertung des Holzes auf chemischem Wege,
der sogenannten tr o > enen Destillation des Holzes, liegt das Schwergewicht
auf der Darstellung der dabei gewonnenen flüssigen und gasförmigen Produkte, wie
Holzteer, Essigsäure, Holzgeist, Leuchtgas usw. Von diesen Produkten
sind namentlich die Ess ig \ äur e und der Holzgeist und die aus diesen beiden
hervorgehenden Verbindungen und Zersetzungsprodukte von Bedeutung. Aber auch die
aus dem Teer e gewonnenen Verbindungen, das Kreosot und die Teeröle sind
von großer Bedeutung für die Te erf arb enindustrie, zur Herstellung von Medikamenten,
 Des inf ektionsmitteln, von Lacken und künstlichen
Harzen und für die Verarbeitung des Zelluloid s. – Die Holzkohle, die
zum Unterschied von der durch die Meilerköhlerei erzeugten „Waldkohle“ – „Retorten -
k o h l e“ genannt wird, spielt bei der trockenen Destillation meist nur die Rolle eines
Nebenproduktes. Die Form des zu destillierenden Holzes hat deshalb auch wenig
Einfluß auf die Rentabilität des ganzen Verfahrens. In der Regel wird jedoch in Deutschland
 nur Holz über 3 cm Stärke verwendet. Bei weiten Transporten kommt nur Scheitholz
in Betracht. Die deutsche Industrie verarbeitet in der Hauptsache Buch en h o l z (etwa
°[10), daneben in geringeren Mengen (1/10) Eichenssch äl h o lz, Birke, Erle
und Aspe.
Während des Krieges wurde die trockene Destillation in Deutschland von folgenden
sechs cemischen Werken betrieben:
            
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