Berufsverbände in der Forstwirtschaft. 71
ausschüsssen, von denen einem insbesondere die Förderung der Fortbildung und die Für-
sorge für forstliche Literatur obliegt, ferner durch Vermittlung wechselseitigen Verkehrs
und wirksamer Arbeit für die angeschlossenen Provinzial- und Landesvereine. Der Deutsche
Forstverein ist sonach ein auf rein ideeller Grundlage beruhender Zusammenschluß. Er
will sich grundsätzlich keine anderen Einnahmen verschaffen als die Beiträge seiner Mit-
glieder und die Zuschüsse des Reiches, der Länder und der Waldbesitzer. ~ Der leitende
Gedanke des Deutschen Forstvereins und sein praktisches Ziel ist sonach, in einem knappen
Satz zusammengefaßt: Herbeiführung eines wissenschaftlichen Be-
triebes in der deutschen Forstwirtsch aft, als der Voraus-
sezung und der Grundlage fachlicher Höchstleistung, ver-
bunden mit Aneiferung zu idealer Hingabe an den Beruf:)."
Vereinsorgan des Deutschen Forstvereins ist: „Der deutsche Forstwirt“,
der außerdem auch noch Organ des „Reichsverbandes deutscher Waldbesitzerverbände“
und des ,„Reichsforstverbandes“ ist.
Die heute bestehenden Landes- und Provinzial-Forstvereine
sind in Tafel I| des Anhanges zusammengestellt. Die Ziele, welche sich diese Vereine
gestecktt haben, sind im großen und ganzen fast durchweg wisssenschaftlich-technischer Art.
Nur einer der Vereine, der „Ba di sche Forstverein“, macht eine Ausnahme:
er erstrebt nicht nur Förderung von Wirtschaft und Wissenschaft, sondern will sogar an
erster Stelle auch die Interessen der badischen (höheren) Forstbeamten vertreten und fördern.
~ Es wäre im Interesse einer einheitlichen Formung sowohl der Forstvereine als auch
derjenigen der Beamten-Interessen-Vereinigungen in der Forstwirtschaft sehr zu wünschen,
daß der „Badische Forstverein“ sich bald der Beamten-Interessen-Vertretung entledigen
würde. - Sehr zu begrüßen wäre es ferner, wenn die Verknüpfung der Landes- und
Provinzial-Forstvereine mit dem Deutschen Forstverein endlich einmal realisiert
werden würde.
Wirtschafts- und sozialpolitische Verbände.
Wirtschaftspolitische Verbände – Waldbesitzer-Verbände?).
Wenn eine beachtenswerte und zielbewußte Organisation der Waldbesitzer auch erst
nach der Revolution einsetzte, so lassen sich doch, wenn auch geringfügige, Ansätze zu einer
solchen Organisation schon in älterer Zeit feststellen. – Der erste Verband deutscher
Waldbesitzer, die im Jahre 1879 gegründete „Vereinigung mitteldeutscher
Waldbesitz er“, kann bei seiner nur lokalen Bedeutung nicht wohl als Ausgangs-
punkt der umfassenden Organisation des deutschen Waldbesitzes angesehen werden. Schon
viel eher läßt es sich hören, wenn man den „Deutschen Forstverein“ als diesen Ausgangs-
punkt ansieht. Die Tätigkeit, welche der Deutsche Forstverein im Interesse des nichtstaat-
lichen Waldbesitzes entfaltete, war indes bis zum Ausbruch des Krieges sehr gering. Die
!) So präzisierte der Vorsißende des Vereins, Geh. Rat Dr. W a pp es , die Aufgaben des
Vereins auf der Tagung vom 11. bis 15. September 1921 in Bad Kreuznach.
*) Im Anschluß an die von Jüuna > verfaßte, im Selbstverlage des „Reichsverbandes
bej der Baldbesigerverbände“ erschienene Broschüre: „Organisation und Ziele der Wald-
ände“