Full text: Forstwirtschafts-Politik

Ökonomische Bedingtheit. 
hemmend in den Weg. Als erschwerendes Moment kam hier zunächst in Betracht, daß 
das Gefühl der Zusammengehörigkeit bei den Forstarbeitern noch während des Krieges 
fast vollständig fehlte. Das lag wohl in der Hauptsache daran, daß die Waldarbeiter 
über große Gebiete zersplittert sind und nicht in so großen Massen zusammen arbeiten wie 
ihre Genossen in der Industrie. „Auch die Tatsache, daß ein großer Teil der Be- 
schäftigten meistens nur im Winter zur Forstarbeit kommt“, hat sicher viel dazu bei- 
getragen. Die große Mehrzahl der Forstarbeiter erkannte erst sehr spät den Wert eines 
Zusammenschlusses und besaß deshalb auch meist nicht die gewerkschaftliche Schulung, 
welche ihren Genossen von der Industrie sozusagen schon seit langem im Blute lag. 
Dazu kommt, daß auch die Agitation in der Land- und Forstarbeiterorganisation viel 
schwieriger ist als in der Industrie. „Die Landarbeiter müssen von Dorf zu Dorf auf- 
gesucht und können nur in kleineren Gruppen gewonnen werden, während man in der 
Industrie Hunderte und Tausende auf einmal bearbeiten kann. Die Werbetätigkeit für 
die Landarbeitergewerkschaften ist dadurch teuer, denn die Bahnfahrten, Spesen und Über- 
nachtungsgelder spielen heute im Etat der Gewerkschaften ein große Rolle“. 
Schließlich erfordert die Zersplitterung der Arbeiter über ein großes Gebiet und 
abgelegene Wald- und Gebirgsgegenden eine reichgegliederte Verwaltung, zu der eine 
große Zahl geschulter Beamten gehört und die deshalb auch riesige Geldmittel erfordert, 
über welche die Landarbeiterorganisationen zunächst noch nicht verfügen. 
Trotz all dieser Schwierigkeiten haben die beiden wichtigsten Verbände, der 
Deutsche Landarbeiter-Verband und der Zentralverband der 
Landarbeiter, in der kurzen Zeit seit der Revolution ganz Erstaunliches geleistet. 
~ Neben diesen beiden Verbänden kommt noch ein dritter Verband, der Reichs - 
Landarbeiterbund, in Betracht, der aber im Gegensatz zu jenen beiden Verbänden 
als Forstarbeiter-Organisation nur eine untergeordnete Rolle spielt. 
Forstbe amten-Verbände. 
Ein viel schwierigeres Problem als die Organisation der mehr oder weniger gleich 
gearteten Elemente der Forstarbeiterschaft stellt aber fraglos die Schaffung eines ein- 
heitlichen Zusammenschlusses der deutschen Forstbeamten dar. Der Lösung dieses 
Problems stehen unüberwindliche Hindernisse im Wege, die in der weitgehenden Ver- 
verschiedenartigkeit der zu vereinigenden Beamtenkategorien begründet sind. Denn es ist 
keine geringe Aufgabe, Beamte, die sowohl ihrem Bildungsgrade als auch ihrer Welt- 
und politischen Anschauung nach so verschieden geartet und gerichtet sind wie akademisch 
gebildete Oberförster, Revierförster, Förster und Waldwärter, von der Notwendigkeit 
einer einheitlichen Vertretung ihrer Interessen zu überzeugen und unter einen Hut zu 
bringen. Dazu tritt als ein weiteres hemmendes Moment die Verschiedenartigkeit des 
Dienstverhältnisses der Beamten aller Kategorien, die teils beim Staate, teils bei 
Gemeinden und Stiftungen und teils bei privaten Unternehmern angestellt sind. Wenn 
es auch in einzelnen Ländern, wie beispielsweise Bayern und Hessen, möglich war, die 
Verbände der höheren, mittleren und unteren Beamten in lose Arbeitsgemeinschaften zu- 
sammenzubringen, für das ganze Reich ist die Schaffung einer solchen übergeordneten 
Bindung all dieser Verbände bisher noch nicht gelungen, und man kann ruhig sagen, daß 
sie nach der gegenwärtigen Lage der Dinge wohl auch so bald nicht gelingen wird. 
Der Aufbau der zur Zeit bestehenden Verbände der höheren, mittleren und unteren 
Forstbeamten ist aus Tafel 1 des Anhangs zu ersehen.
	        
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