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schaftlich ungesunde — privaten Nutzen auf Kosten der Gesamt-
heit bringende — Geldhortung zu beseitigen, mindestens ihr da-
durch entgegenzuwirken,
„Der Spartätigkeit wohnt .. im mer die das Volkswohl schädigende
Tendenz inne, einen Mangel an Nachfrage und somit Geschäftsstille zu er-
zeugen. Werden die aus der Spartätigkeit resultierenden Sparfonds in der
Expansion veranlagt (also im Aufbau neuen Produktiv- oder Gebrauchs-
zapitals), dann wird diese schädigende Tendenz nicht bloß neutralisiert,
sondern. in. das Gegenteil umgewandelt, und alsdann wirkt der Sparprozeß
segensreich . .. Werden aber die für die Expansion verfügbaren Sparfonds
nicht in der Expansion, sondern in anderer Weise veranlagt‘ (Johann-
zen hat vor allem Konsumptivdarlehen im Auge), „dann wird jene schädigende
Tendenz nicht länger neutralisiert, und wenn nicht neutralisiert, tritt sie
in Kraft. Dann haben wir Depression‘ (S. 227).
Wahrheit und Irrtum sind hier eng miteinander verquickt.
Unter dem Gesichtspunkt der Dauerwirtschaft ist das Sparen
durchaus zu begrüßen, da es die natürliche Güterknappheit aus-
gleichen, ihren Kreislauf durch die Stadien der Beschaffung, Ver-
wendung, Wiederbeschaffung usw. aufrecht erhalten hilft und
somit ein im eigentlichsten Sinne wirtschaftliches Verhalten des
Menschen darstellt. Vorübergehend dagegen, insbesondere
in der Verkehrswirtschaft, kann das Sparen, wie Johannsen
zutreffend bemerkt, auch hemmend wirken, den Wirtschaftsverkehr
verlangsamen. Mit Notwendigkeit braucht aber auch das vorüber-
gehende Noch-nicht-Verwenden von verwendungsbereiten Gütern
noch keinen Rückschritt in der Wirtschaft, keine Beeinträchtigung
der Versorgung. zu bedeuten; am allerwenigsten die Rücklage
von Geld, da dieses ja unmittelbar überhaupt nicht nutzbar wird,
sondern erst im Wege des Umtausches. Entscheidend für die
wirtschaftliche Bewertung ist daher nicht die Aufspeicherung von
Gütern oder Geld als solche, sondern erst die Verwendung der
Rücklage: ob sie als „vorgetane Arbeit“ der Steigerung der
gesamtwirtschaftlichen Produktivität dienen oder nur dem Sparer
eine privatwirtschaftliche Vorzugsstellung gewähren soll, die ihm
„unverdiente Gewinne“ auf Kosten anderer Einzelwirte, vielleicht
gar zum Schaden der ganzen Wirtschaftsgesellschaft, einträgt. (Die
Worte „Kapitalbildung“ und „Kapitalisierung“ deuten den Unter-
schied dieser Verwendungsarten an; der Maßstab der ersteren ist
die Produktivität, der zweiten nur die privatwirtschaftliche Renta-
bilität.)) Sicherlich ist es nun wirtschaftlich — nicht etwa nur
moralisch oder politisch — zweckmäßig, die Bereicherung des
einzelnen auf Kosten der Gesamtheit zu unterbinden. Insoweit