(6000 bis 12000 Mann) sind Studenten und Seminaristen. In
Gegenden, wo sich ein Lehrerseminar oder eine ähnliche Anstalt
befindet, kommt es überhaupt vor, dass Studenten in weitem Um-
fang auch unter der Industriearbeiterschaift als Lohndrücker auf-
treten. Darüber klagten uns die Gewerkschaftsleute in Emporia
im Staate Kansas, wo sich ein solches Institut befindet. (Bei der
breiten demokratischen Basis, die das höhere Schulwesen und
überhaupt das Bildungswesen für Erwachsene in Amerika hat, ist
diese unerwünschte Begleiterscheinung verständlich. Auch kann
sie, wo gute Organisationsverhältnisse bestehen, vermieden
werden.) Die städtischen Arbeiter, die an der Ernte teilnehmen,
kommen meistens aus den industriereichen Nordstaaten. Der In-
dustriezweig, aus dem sie kommen, ist nach dem jeweiligen Ge-
schäftsgang der einzelnen Industrien verschieden. In einem Jahre
kamen sie fast ausschliesslich aus der Automobil- und Gummi-
industrie. In ihrer Gesamtzahl machen die Saisonarbeiter ein
Anderthalbfaches der gesamten Farmer und deren arbeitender
Familienmitglieder aus, bei denen sie arbeiten. Eine volle Million aller
Lohnarbeiter der Vereinigten Staaten hat mindestens einmal die
Weizenernte mitgemacht! Die täglichen Arbeitsstunden zur Ernte-
zeit liegen in der Mehrzahl der Fälle zwischen zehn und zwölf
Stunden, in einem geringen Prozentsatz darunter oder darüber.
Über die Höhe des Lohnes, zu dem noch die freie Verpflegung
hinzukommt, lässt sich etwas Allgemeines aus begreiflichen
Gründen nicht sagen. Man kann den Lohn mit seinen auffallenden
Unterschieden in den einzelnen Jahren allenfalls als ein recht gutes
Konjunkturbarometer der Industrie ansehen, denn in Zeiten grosser
Arbeitslosigkeit in der Industrie sind die „Farmhände‘“ natürlich
billig. So wurden in Kansas in einem Jahre mit schlechter Industrie-
koniunktur Löhne zwischen 2,50 und 5,50 Dollar pro Tag gezahlt,
während sie in dem vorhergegangenen besseren Jahre zwischen
3,30 und 7 Dollar lagen. Eine Ausnahme machen natürlich die
genannten Mechaniker, deren Lohn 10 und 12 Dollar beträgt und
natürlicherweise auch weniger von der Konjunktur abhängig ist.
Wenn dagegen die Löhne der übrigen Arbeiter, die ungelernte
Kräfte sind, einschliesslich der Verpflegung auf den ersten Blick
noch passabel scheinen mögen, so ergibt sich ein weniger günstiges
Bild, wenn maı die Ausfälle berechnet, die den Leuten beim Über-
gang von der einen zur anderen Arbeitsstelle entstehen. . Der
Ausfall macht im Durchschnitt im Laufe eines Monats, wie
Lescohier errechnet hat, nicht weniger als elf Tage aus. Dadurch
reduziert sich die monatliche Reineinnahme auf etwa 87% Dollar
in guten bzw. 68 Dollar in schlechten Jahren. Davon sind abermals
Ausgaben für Eisenbahnfahrt usw. abzurechnen, so dass sich der
Wanderarbeiter kaum viel besser steht als der reguläre Farm-
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