Full text : Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

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Diese Entlohnungsverhältnisse sind, wie ungete” Gegenüber
stellung entsprechender Arbeiterlöhne zeigt, durghaus proletarisch,
Keine von oben her begünstigte „Standespflege“/dämmthdent Drucks
der freien Konkurrenz, der natürlich in einem\ solchen Beruf im
einem Lande mit so ausgedehnten Bildungsmög hkeiten ein sehr
starker ist. Man denkt dabei an das Beispiel, das Eduärd v. /
mann in einer seiner populären Schriften einmal gibf* ! {bkundigen,
 der einst mit seiner Kunst von Königen und Fürsten
gesucht war, heute aber, im Zeitalter der allgemeinen Schulbildung,
damit allein nicht mehr das tägliche Brot verdienen könnte. In
Amerika, wo man keine Stände konservieren will, wird jede Arbeitsleistung
 — nicht nur die manuelle — nur nach ihrer Erlangbarkeit
taxiert und soviel oder sowenig dafür gezahlt, als man zahlen
muss, um sie zu erhalten.
Henry Ford, der auch darin am meisten amerikanisch ist, hat
diese Idee geradezu zum System ausgebaut. Er schickt seine Werkmeister,
 wenn sie sich als unfähig erweisen, wieder an die Werkbank.
 Seine Maschinenzeichner sitzen in langen Reihen vor eisernen
Stafetten in Sälen, die sich von den Fabrikräumen nur durch das
Fehlen der Maschinen und Treibriemen unterscheiden. Sie arbeiten
im Stundenlohn und verdienen, wie uns gesagt wurde, „bis zu 1,25
Dollar pro Stunde“ d. h. im Höchstfall den Lohn des Werkzeugschlossers.
 So wird „standesmässige‘“ Absonderung der Betriebsteile
 vermieden. Die Fordschen „Ingenieure“ müssen sich zu ihrer
Stellung durch die Werkstätten hindurchgearbeitet haben; jeder
kennt die Menschenart und die Arbeiten, die ihm unterstehen, soll
sogar der beste Arbeiter sein und darf nie „kraft seines Amtes“
kommandieren.
Dem entspricht auch der Ton, der zwischen Arbeitern, Meistern,
Unternehmern und überhaupt jeder Gruppe des Betriebsganzen
überall im Lande herrscht. Man sagt allerdings, dass der Unternehmer
 den familiären Ton, mit dem er jeden seiner Arbeiter beim
Vornamennennt, mit guter Berechnung wähle, da „loyal employees“
(so heisst das Schlagwort) dem Unternehmen förderlicher seien
als eine widerwillig oder gar feindselig gesinnte Belegschaft. Das
ist sehr wahrscheinlich immer das Motiv; es verrät aber jedenfalls
mehr Takt als das entgegengesetzte Verfahren. Auch haben wir,
besonders beim berufsqualifizierten Element der Arbeiterschaft,
nicht finden können, dass sie sich durch den Ton der Vertraulichkeit
 irgendwie bestechen lassen, ihn auch gar nicht als eine Herablassung
 des Unternehmers auffassen, sondern für durchaus selbstverständlich
 hinnehmen. Knechtseligkeit ist unter Amerikanern
eine seltene Erscheinung. Zu diesem Ergebnis muss schliesslich
auch der misstrauische Beobachter dort kommen. Das Selbstbewusstsein
 des Amerikaners ist zu gross, um Knechtsinn entstehen

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