dann am Ausgang an einer Art Sperre entrichtet wird. Infolge
dieser Einrichtungen werden die Kosten des Unternehmens für die
Bedienung auf ein Unbedeutendes gebracht. In einem gewählteren
Lokal, das man in Deutschland ein „bürgerliches Restaurant‘
nennen würde, haben wir für den gleichen heimatlichen Genuss
das Doppelte, also 50 Cent gezahlt, weil dort männliche Kellner-
bedienung und einige Ausstattung der Räumlichkeit den Betrieb
verteuern. Ähnlich verhält es sich mit den Preisen für Wäsche
und Kleidung. Man kann stundenlang darüber diskutieren, ob ein
bescheidener, fabrikmässig hergestellter Anzug in New York um
5 oder um 10. Prozent oder gar nicht teurer sei als in Berlin;
sehr viel teurer als in Deutschland ist gewöhnliche Kleidung auf
keinen Fall, während Massware wieder wesentlich teurer ist, da
ihr Preis viel Arbeitslohn enthält. Ist also bei einer Lebenshaltung
auf tieferer Stufenleiter (wenn man von den gerade auf niederer
Stufe sehr verschiedenen, aber auf jeden Fall hohen Mietpreisen
absieht) die Kaufkraft des Dollars mindestens der von drei deut-
schen Reichsmark gleich, so ändert sich dies, sobald man in höhere
Regionen des sozialen Daseins steigt. Der besser bezahlte
Arbeiter, der ein Vier- und Fünffaches seines deutschen Berufs-
lohnes erhält, gibt von seinem Einkommen einen viel geringeren
Bruchteil für blosse Nahrung aus. Seine Kleidung ist bereits von
der teureren Art. Er bewohnt die guten Wohnungen, die das Vier-
bis Fünffache der gleichwertigen deutschen (nicht von Arbeitern
besetzten!) Wohnungen kosten. Er leistet sich ferner vieles von
dem, was unter das Konto „Verschiedenes“ fällt und nahezu restlos
teurer ist als bei uns, ob es sich um Bücher handelt oder verbotenen
Schnaps, Grammophone oder Gaskocher, Radioapparate oder eine
Bronzebüste des Generals Dawes. Auch Möbel und Hauseinrich-
tungen aller Art, die beim wohlsituierten Arbeiter einen grossen
Posten ausmachen, sind teurer als bei uns und auch seit der Vor-
kriegszeit‘ stärker im Preise gestiegen als anderer Lebensbedarf,
wie unsere Zergliederung des amerikanischen Teurungsindex auf
Seite 181 zeigt. Die Kaufkraft eines höheren Verdienstes ist also
bei entsprechender Lebensführung geringer. Dafür sind diese
Einkommen nominell bedeutend höher als bei uns. So wird die
Kaufkraft des Dollars immer geringer, je vielfältiger und an-
spruchsvoller die Lebenshaltung ist. Schon für den „bürgerlichen
Haushalt‘, dem auch derjenige des besser entlohnten Arbeiters zu-
zuzählen ist, gilt der Dollar nur noch etwa das Doppelte, höchstens
Zweieinhalbfache der Mark, und geht man in eins der grossen
Hotels mit ihren zahlreichen Bedienten und dem fabelhaften
Komfort, so ist der Dollar eben noch der Mark gleich. Diese
Preisunterschiede auf den verschiedenen Ebenen der Lebenshaltung
sind entschieden grösser, und viel grösser, als in Deutschland.
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