fassungen über die Möglichkeiten, dem Ziel näherzukommen, ergeben.
Diese Ideologie liegt sowohl der politischen wie der gewerkschaftlichen
Arbeiterbewegung zugrunde. Hat jene die Aufgabe,
politische Macht zu erobern, um damit auf die Umwandlung
der Wirtschaft einzuwirken, so müssen die Gewerkschaften unmittelbar
in der Wirtschaft selbst gleichgerichtete Kräfte zu entfalten
suchen. Diese Zielsetzung schliesst aber nicht aus, dass
die Gewerkschaften schon in der Gegenwart alle Kräfte anstrengen,
um die Arbeitsverhältnisse so günstig wie möglich zu
gestalten. Je besser es ihnen gelingt, für die Arbeiter einen möglichst
grossen Lohnanteil von den Erträgnissen der Wirtschaft zu
erkämpfen, je mehr sie die Herrenrechte der Kapitalisten durch
ein Mitbestimmungsrecht in den Betrieben und bei der Wirtschaftsführung
verringern, um so mehr führen sie die Entwickelung dem
gestellten Ziel entgegen.
Wer in dieser Ideologie ein unbedingt notwendiges Erfordernis
jeder konsequenten Gewerkschaftsbewegung sieht, wird durch die
amerikanische Bewegung enttäuscht sein. Wohl gibt es auch dort
Führer und Mitglieder in den Gewerkschaften, die in diesen Gedankengängen
leben; aber ihre Zahl ist verhältnismässig gering.
Die Gewerkschaftsbewegung als solche hat sich offiziell auf keine
Theorie verpflichtet, die eine grundsätzliche Umgestaltung der
Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung für notwendig ansieht.
Dabei verschliesst sie sich aber keineswegs den Nachteilen, die
den arbeitenden Massen aus der geltenden Wirtschaftsordnung
erwachsen, und erkennt darin sehr wohl den immanenten Gegensatz
zwischen Kapital und Arbeit. Das tritt deutlich in Erscheinung
in der Prinzipienerklärung, die dem Statut des amerikanischen
Gewerkschaftsbundes vorausgestellt ist und folgenden Wortlaut
hat:
„Weil ein Kampf in allen Nationen der zivilisierten Welt zwischen den
Unterdrückern und den Unterdrückten aller Länder stattfindet, ein Kampf
zwischen den Kapitalisten und Arbeitern, der an Stärke von Jahr zu Jahr
zunimmt und unheilvolle Folgen für die Millionen der Arbeitenden haben
wird, wenn sie nicht zu gegenseitigem Schutz und Unterstützung verbunden
sind,
darum ziemt es den Vertretern der Berufs- und Arbeiterverbände, die
zum Kongress versammelt sind, solche Massnahmen zu treffen und solche
Prinzipien unter den gelernten und ungelernten Arbeitern unseres Landes
zu verbreiten, durch die sie dauernd vereinigt werden, um sich die Anerkennung
der Rechte zu sichern, auf die sie berechtigten Anspruch haben.
Darum erklären wir uns für die Gründung eines vollkommenen Bundes,
der alle Berufs- und Arbeiterorganisationen in Amerika umfasst, die auf
gewerkschaftlicher Grundlage organisiert sind.“
In der Erkenntnis des natürlichen Gegensatzes zwischen Kapital
und Arbeit steht also die amerikanische Gewerkschaftsbewegung
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