mit der europäischen auf derselben Linie. Notwendigerweise
folgert aus dieser Erkenntnis auch die Anerkennung des Kampfes
zwischen Unternehmern und Arbeitern als einer unvermeidbaren
Erscheinung der kapitalistischen Wirtschaft selbst. Diese
Auffassung ist aber nicht in dem Masse zu einer abgerundeten
Theorie verarbeitet wie in der Arbeiterbewegung der alten Welt,
und es fehlt ihr vor allem die Konsequenz, dass nun zur Überwindung
dieses Kampfes eine Änderung der Wirtschaitsordnung
angestrebt werden muss. Die amerikanischen Gewerkschafter,
auch die führenden, dürften in der Mehrheit geneigt sein, die wirtschaftliche
Ordnung als eine gegebene Tatsache anzusehen und
die Aufgabe der Gewerkschaften allein darin erblicken, auf dem
Boden dieser Tatsache die Interessen ihrer Mitglieder so gut wie
irgend möglich zu verteidigen.
Es fehlt in der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung offenkundig
jenes Klassenbewusstsein, das in der Überzeugung wurzelt,
dass in der kapitalistisch wirtschaftenden Welt der Aufstieg der
Arbeiter nicht anders möglich ist als durch das Vorwärtsschreiten
der ganzen Klasse. Die unbestreitbare Tatsache, dass die amerikanischen
Arbeiter durchschnittlich einen erheblich höheren
Lebensstandart haben als ihre europäischen Klassengenossen,
dürfte allein kaum ausreichen, um diese Gesinnung zu erklären.
Das ökonomische und soziale Befriedigtsein hängt nicht nur von
der absoluten, sondern mehr noch von der relativen Höhe der
Lebenshaltungsbedingungen ab. Auch wenn der Reallohn des
amerikanischen Arbeiters höher ist, so ist doch der Unterschied
zwischen seinem Einkommen und dem seiner Ausbeuter keineswegs
geringer als in Europa. Auch der amerikanische Arbeiter
kann selbstverständlich nicht übersehen, dass sein Lohnanteil
grösser werden müsste, wenn er die Erträgnisse seiner Arbeit
nicht mit den Besitzern von Kapital und Produktionsmitteln zu
teilen hätte. Die ökonomischen Lehren des Sozialismus sind auch
in Amerika keineswegs unbekannt; aber trotz einer jahrzehnte-Jangen,
unermüdlichen Propaganda haben sie bei der dortigen Arbeiterschaft
keinen Boden gefunden. Um dies zu verstehen, müssen
die von den europäischen abweichenden, besonders ökonomischen
und gesellschaftlichen Zustände in der Neuen Welt näher beleuchtet
werden.
Die sozialistische Tendenz in der europäischen Arbeiterbewegung
stützt sich, wie oben dargelegt, auf die Erkenntnis der ökonomischen
Triebkräfte in der kapitalistischen Wirtschaft. Das Eingehen dieser
Erkenntnis in die Köpfe breiter Arbeiterschichten ist aber zweifellos
darauf zurückzuführen, dass gewisse psychologische Voraussetzungen
dafür vorhanden waren. Sowohl ökonomisch wie gesellschaftlich
ist die scharfe Klassenscheidung in den europäischen
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