grössten Teil noch vollständig unorganisiert, und selbst wenn sich
einzelne Angehörige dieser Gruppen einer Gewerkschaft an-
schliessen wollen, finden sie häufig keine Möglichkeit dazu.
Die Federation hat diesen Übelstand natürlich erkannt und wendet
ihm grosse und wachsende Aufmerksamkeit zu. Mehr als die ge-
werkschaftlichen Landeszentralen in Ländern, wo das Netz der
Organisation zwar auch noch nicht alle Arbeiter, aber doch alle
Berufe umspannt, muss sie sich deshalb der Aufgabe unterziehen,
direkte Organisierungsarbeit zu leisten. Wir haben bei der inneren
Gliederung der Federation gesehen, wie sie sich dazu der Ein-
richtungen der direkt angeschlossenen Lokalverbände bedient.
In den einzelnen Orten werden von Beauftragten der Federation
Anstrengungen gemacht, um die noch unorganisierten Gruppen in
Lokalvereinen, teils beruflich abgegrenzt (local trade union), teils
gemischt-beruflich (federal labor union) zusammenzubringen. Das
Ziel ist, wenn genügend solcher Lokalvereine des gleichen Berufs
errichtet sind, sie in Zentralverbänden zusammenzuschliessen.
Bis dahin übernimmt für sie die Federation selbst die Rolle eines
Zentralverbandes, zieht einen Teil der Beiträge ein und gewährt
dafür gegebenenfalls Streikunterstützung.
* *
4. Stellung zur Politik und zum Parteiwesen.
Für die Wahrnehmung der öffentlichen Aufgaben muss die
Federation mit dem politischen System ihres Landes rechnen. In
den europäischen Ländern ist die Arbeiterklasse bemüht, selbst
einflussreiche politische Arbeiterorganisationen zu schaffen, um
dadurch direkten Einfluss auf die Gesetzgebung zu bekommen. In
den Vereinigten Staaten sind bisher alle solche Versuche fehl-
geschlagen, und wir haben den Eindruck bekommen, dass bei der
Mentalität der dortigen Arbeiterschaft auch in absehbarer Zeit
etwas anderes nicht zu erwarten ist. Die beiden grossen Parteien,
die demokratische und die republikanische, ringen um die politische
Macht mit wechselndem Glück. Soweit wir das erkennen konnten,
legt keine dieser Parteien Wert auf ein ausgeprägtes und bindendes
Programm, so dass der Stellungnahme des einzelnen Abgeordneten
ein grösserer Spielraum bleibt als unter dem bei uns üblichen
Fraktionszwang. In vielen Fragen ist aus der Parteizugehörig-
keit des einzelnen Abgeordneten im voraus überhaupt nicht zu
erkennen, welche Haltung er schliesslich einnehmen wird. Die
persönliche Bearbeitung der Parlamentarier und politisch einfluss-
reichen Persönlichkeiten sowohl bei der Abgabe von Wahl-
versprechungen wie bei den parlamentarischen Entscheidungen,
aber auch in bezug auf die Verwaltungstätigkeit spielt deshalb im
öffentlichen Leben Amerikas eine sehr grosse Rolle, und auch die
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