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W eltkolonisation
Reich damals genommen hatte, ein Abnehmen der Auswanderung
geltend. (1880 bis 1890 13 Millionen, 1890 bis 1900 05 Mil
lionen, 1900 bis 1910 0 - 28 Millionen).
Das Gegenstück bildet Spanien, das trotz geringer Bevöl
kerungsziffer ebensoviel Auswanderer aufweist als Deutschland.
Im Durchschnitte der letzten zehn Jahre vor dem Kriege
sind etwa 12 Millionen Menschen jährlich aus Europa ausge
wandert, wogegen der jährliche Menschenzuwaohs etwa 4 Mil
lionen (0 - 88°/ 0 der Volkszahl) betrug.
Die bisherige Auswanderung war also viel zu gering, um
der wachsenden Überfüllung Europas abzuhelfen.
Da aber weder die innere Kolonisation der Einzelstaaten
noch jene ganz Europas rasch genug vorschreiten wird, um mit
dem Wachstum der Bevölkerung gleichen Schritt zu halten,
könnte nur eine großzügige Auswanderung in außereuropäische
Gebiete Abhilfe schaffen.
Freilich könnte auch hier nur internationale Gemeinschafts
arbeit zum Erfolg führen; denn schon das Problem selbst müßte
nicht vom Einzelstaat, sondern vom gesamteuropäischen Stand
punkt aus aufgezäumt werden, die Abhilfen aber, die in der Ein
wanderungsbewilligung in außereuropäische Gebiete und den ent
sprechenden Vorsorgen bestünden, würden die Zusammenarbeit
aller Völker der Erde bedingen.
Die Schwierigkeit in all diesen Fragen liegt immer darin,
daß es derzeit noch kein Forum gibt, das geeignet wäre, diesen
Ausgleich zwischen den Bedürfnissen der einzelnen Staaten her
beizuführen.
Das darf aber nicht hindern, wenigstens in der Theorie die
hier niedergelegten Wahrheiten immer wieder zu betonen.