ihr gesamter Aktienbesitz stets in der Minderheit bleibt, die zer-
splitterten Kleinaktionäre machtlos bleiben müssen gegenüber den
Grossaktionären und der Leitung des Unternehmens. Nur zu leicht
geben sie sich der Täuschung hin, dass sie nun selbst wirklicher
Teilhaber am Betrieb geworden sind, und dass dessen Ertrag ihr
eigener klingender Gewinn ist. Schliesslich haben die Unternehmer
herausgefunden, dass sie.die Werbekraft der Gewerkschafteninfolge
deren Unterstützungseinrichtungen abschwächen können, wenn sie
selbst solche Unterstützungseinrichtungen fürihre Arbeiter schaffen.
Nach den Zahlen, die darüber vorliegen, sind gegenwärtig nach
dem System der „Gruppenversicherung“ bereits über 2 Millionen
Arbeiter durch ihre Unternehmer in einer Lebensversicherung ver-
sichert. Die Prämien werden häufig von den Unternehmern allein
gezahlt (d.h. auf Betriebsunkosten verbucht), andernfalls müssen
die Arbeiter einen Teil dazu beitragen. Der Anspruch wird schon
nach verhältnismässig kurzer Beschäftigungsdauer im Betrieb er-
reicht, und dann wächst die Versicherungssumme mit jedem
weiteren Beschäftigungsiahr. Alle Ansprüche erlöschen aber in
demselben Augenblick, in dem das Arbeitsverhältnis gelöst wird.
Das System der Lebensversicherung wird ergänzt durch ein
solches der Altersversicherung. Nach dem Report des „National
Industrial Conference Board“ wird für 1925 schon über 215 Betriebe
mit 2815512 Arbeitern berichtet, in denen diese Versicherung ein-
geführt worden ist. Auch hier hören alle Ansprüche auf, wenn das
Arbeitsverhältnis nicht mehr besteht. Im anderen Fall ist der
rentefordernde Arbeiter immer noch der Willkür des Versicherungs-
unternehmens ausgeliefert, an dessen Verwaltung er nicht den ge-
ringsten Anteil hat.
Welchen Umfang das Kleinaktiensystem angenommen hat, kann
man daran ermessen, dass schon 1918 die Zahl der Aktienbesitzer
in den Vereinigten Staaten 2 537 000 betrug, dass sie aber bis 1925
auf 5051 000 gestiegen ist.
Über die Einrichtung von Betriebsräten, die in den Vereinigten
Staaten als eine Massnahme gegen die Gewerkschaften aufzufassen
ist, liegen folgende Zahlen vor:
1919 1922 1924
Anzahl der Betriebe 225 725 814
Darin Beschäftigte „x 391400 690000 1.177000
Angesichts dieser Tatsache ist es vollkommen klar, dass die
Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten ernsthaft
Problemen gegenübersteht, die nicht nur eine Erweiterung ihres
Aktionsradius gebieterisch fordern, sondern vermutlich auch eine
Änderung des ganzen Organisationssystems früher oder später er-
zwingen werden. Die Vorstellung, als ob die Arbeiter des einzelnen
Berufs einen ausreichenden Schutz haben, wenn sie nur für sich
930