Dollar. Dazu kommen noch zwei von Arbeiterorganisationen
kontrollierte grössere Privatbanken, die gleichfalls zusammen über
mehr als 90 Millionen Dollar verfügen. Diese Summen sind natür-
lich, gemessen an den in Amerika gewöhnten Ziffern, immer noch
bescheiden. Aber die Idee der Arbeiterbanken ist noch verhältnis-
mässig neu, sie wird immer populärer, und da in den Vereinigten
Staaten die jetzige Vorherrschaft der Grossfinanziers von Wall-
street und der Grossbanken von weiten Kreisen der Bevölkerung
ungern gesehen wird, so erhoffen auch der Arbeiterbewegung Fern-
stehende durch die von Wallstreet unabhängigen Arbeiterbanken
eine Schwächung dieser Vorherrschaft und unterstützen die
Arbeiterbanken auch dadurch, dass sie mit ihnen Geschäfte tätigen.
Die Art, wie die Arbeiterbanken in den Vereinigten Staaten kon-
struiert sind, der Aufgabenkreis, den sie sich gestellt haben, und die
Ziele, die sie verfolgen, alles dies wird natürlich sehr stark be-
stimmt durch die Ideologie in der amerikanischen Gewerkschafts-
bewegung und durch deren organisatorische Gliederung.
Man unterscheidet unter den Arbeiterbanken in Amerika vier
Typen: 1.solche, die von den gewerkschaftlichen Zentralverbänden,
2. solche, die von selbständigen Lokalorganisationen, 3. solche,
die von den Ortskartellen des amerikanischen Gewerkschafts-
bundes und 4. solche, die von den Ortsverwaltungen einer einzelnen
Gewerkschaft unter Mitwirkung des Zentralverbandes gegründet
sind. Im Gegensatz zu den europäischen Arbeiterbanken, in Öster-
reich, Dänemark und Deutschland, wo unter Führung der Spitzen-
organisationen von sämtlichen Zentralverbänden des Landes eine
Arbeiterbank ins Leben gerufen ist, die die Aufgabe hat, im
ganzen Lande die Gewerkschaftsgelder zu erfassen, erforderlichen-
falls örtliche Zweigstellen zu errichten, hat in Amerika eine weit-
gehende Dezentralisation Platz gegriffen. Dies ist freilich nicht nur
eine Folge der unterschiedlichen Organisationsform der europäischen
und der amerikanischen Gewerkschaften, sondern ist auch bedingt
durch die in Amerika geltenden besonders strengen Bankgesetze.
Diese verbieten den Banken, ein Filialsystem zu schaffen, und
stellen alle Banken, die fremde Gelder ins Depot nehmen, unter
eine strenge staatliche Aufsicht. Auch die Arbeiterbanken unter-
stehen dieser staatlichen Kontrolle. Die Gesetze schreiben u. a. vor,
dass von den fremden Geldern, die die Banken verwalten, ein be-
stimmter Prozentsatz stets bei einer der amerikanischen Bundes-
reservebanken angelegt sein muss, dass einzelne Kredite niemals
höher sein dürfen als ein bestimmter Prozentsatz des eigenen
Kapitals, dass die Anlagen in einer bestimmten Art erfolgen müssen,
so dass eine Liquidität der Banken stets gewährleistet wird. Für
die amerikanischen. Banken ist es besonders wichtig, dem: SO-
genannten Bundesreservesystem angeschlossen zu sein. Die
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