fullscreen: Neuzeitliche Krüppelfürsorge

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nächsten Augenblick erotisch sich gebärden, die alles übertreiben und 
beinahe immer Theater spielen, immer aus dem Grunde heraus, um 
außergewöhnliche Beachtung zu finden. 
Der Krüppelfürsorger muß auch die Nervösen unter seinen Pfleg- 
lingen richtig beurteilen können. Diese sind meistens erblich belastet, 
schon von der frühesten Kindheit an aufgefallen durch ein sehr reiz- 
bares, empfindliches Wesen, auch körperlich wenig widerstandsfähig 
fieberten sie leicht und machten durch Ausschläge, asthmatische Be- 
schwerden, Magen- und Darmerkrankungen ihren Eltern dauernd 
Sorge. Diese Nervössen sind meistens nicht schlecht begabt, sind aber 
außerordentlich leicht ermüdbar und leisten deshalb wenig, träumen, 
sich selbst überlassen, stundenlang vor sich hin, machen einen weichen 
und wehleidigen Eindruck, sind leicht zum Weinen geneigt, andere 
aufgeregter Natur, fallen dann durch ihr hastiges Sprechen und ihre 
unausgeglichenen Bewegungen auf, werden dauernd von einer 
inneren Unruhe beherrscht, schlafen schlecht und sind häufig durch ihre 
geschlechtlichen Unarten für ihre Umgebung unangenehm. 
Zu den psychopathisch Veranlagten rechnen wir dann noch die 
abnorm Erregbaren, die Haltlosen, die Gemütslosen oder Unsozialen 
(Kraepelin). Erstere sind gemütlich außerordentlich erregbar. Sie ge- 
raten bei den geringsten Anlässen in maßlose Wut, Kleinigkeiten 
bringen sie in schwere Erregung, in Angst und Verzweiflung. Diese 
Menschen sind immer außerordentlich empfindlich, launisch, wetter- 
wendisch. Das hervorstechendste Merkmal der Haltlosen ist die 
Willensschwäche. Sie sind außerordentlich leicht bestimmbar, verführ- 
bar und unzuverlässig. Trotz meistens guter Begabung bringen sie es 
zu nichts im Leben, fangen am liebsten jeden Tag etwas anderes an, 
halten auf keiner Stelle aus, weil sie auch nicht kurze Zeit imstande 
sind, Anstrengungen, Unbequemlichkeiten und Entbehrungen zu er- 
tragen. Sie sind dabei meistens sprachlich recht gewandt, immer von 
ihren Leistungen eingenommen und wissen ihr Versagen immer recht 
gewandt zu beschönigen und zu entschuldigen. Die Unsozialen oder 
Gesellschaftsfeinde sind sittlich stumpf. Ihr Gefühlsleben ist ver- 
kümmert. Tiefere gemütliche Regungen fehlen ihnen. Sie haben kein 
Gefühl für Ehre und Scham, sind gleichgültig gegen Lob und Tadel, 
außerordentlich undankbar gegen Eltern und Erzieher. Es fehlt 
ihnen an Gemeinsinn und Mitgefühl. Sie kennen nur ihre eigenen 
Interessen. Oft brutal und genußsüchtig leben sie nur ihrem gewöhn- 
lichsten Triebleben, ärgern und quälen ihre Umgebung, sind ver- 
schlossen und hinterlistig, die „richtigen Verbrechernaturen“ 
Eine Störung, bei der immer das Gehirn mitbeteiligt ist und die 
wir auch bei Krüppeln beobachten können, ist die Epilepsie oder Fall- 
sucht. Das Hauptcharakteristikum der Epilepsie ist der epileptische An- 
fall, charakterisiert durch plötzliches Hinstürzen, oft ganz unvermutet,
	        
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