die aus ihrer gewerkschaftlichen Tätigkeit dann ausschieden, mit
der Leitung der Banken betraut worden. Da in Amerika ins-
besondere die Kenntnis von banktechnischen Dingen viel ver-
breiteter ist als z.B. in Deutschland, konnte man vielfach mit
früheren Gewerkschaftsangestellten als jetzigen Bankpräsidenten
die allerbesten Erfahrungen machen. Der amerikanische Arbeiter,
jedenfalls der, der in Amerika geboren ist, versteht von bank-
technischen Dingen in der Regel viel mehr als z. B. in Deutschland
der kleine Kaufmann oder Gewerbetreibende.
Sämtliche amerikanischen Arbeiterbanken haben die Form einer
Aktiengesellschaft. In den Aufsichtsorganen der Bank, besonders
im Verwaltungsrat, der ungefähr unserem Aufsichtsrat entspricht,
haben die Vertreter der Gewerkschaften entscheidenden Einfluss.
In ihnen sind jedoch auch Unternehmer und andere Persönlich-
keiten, von denen man sich Vorteile für die geschäftliche Entwick-
lung der Bank verspricht, vertreten. Selbstverständlich kommen
nur solche Unternehmer in Frage, die stets mit den Gewerkschaften
auf gutem Fuss gestanden haben. Von den Geschäftserfahrungen
und von den Beziehungen dieser Privatunternehmer erwartet man
eine Geschäftsförderung der Bank.
Die Tatsache, dass die meisten amerikanischen Arbeiterbanken
nur von ‚einer einzigen Organisation getragen und kontrolliert
werden, birgt gewisse Gefahren in sich. Richtungskämpfe innerhalb
der Gewerkschaften, persönliche Streitigkeiten und ähnliche Vor-
kommnisse haben auch auf die Bank dieser Gewerkschaft einen oft
schädlichen Einfluss. Einzelne Arbeiterbanken haben durch der-
artige Vorkommnisse schon beträchtlichen Schaden gehabt, sind
jedenfalls in ihrer Entwicklung gehemmt worden. Es fehlt der Aus-
gleich, der dadurch herbeigeführt wird, dass verschiedene Organi-
sationen gleichmässig an der Bank interessiert sind und irgend-
welche Vorkommnisse in einzelnen Gewerkschaften die Entwicklung
der Bank nicht entscheidend beeinträchtigen können. Diese Er-
kenntnis führte auch in den Vereinigten Staaten dazu, dass die
Träger und Gründer der Arbeiterbanken in den letzten Jahren die
Ortskartelle, nicht mehr die Ortsverwaltungen der einzelnen Ge-
werkschaften sind. .
Die vorstehende Statistik zeigt den Stand der amerikanischen
Arbeiterbanken im Oktober 1925. Sie weist fast durchweg be-
achtenswerte Ziffern auf. Die grösste und eine der ältesten ist die
Bank der Bruderschaft der amerikanischen Lokomotivführer, die
zweitgrösste ist die Bank des Ortskartells des amerikanischen
Gewerkschaftsbundes in New York. Fast alle Banken haben eine
stetige und günstige Entwicklung hinter sich. Fehlschläge und
Zusammenbrüche sind nur ganz vereinzelt vorgekommen, und zwar
war die Ursache durchweg mangelhafte geschäftliche Eignung der
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