Das Nirväna.
73
heißt Jivanmukti, ein bei Lebzeiten Erlöster ein Jivanmukta.
Der Jivanmukti der Brahmanen aber entspricht genau das
Samdittbikam Nibbänam, „das Nirväna bei Lebzeiten" der
Buddhisten. Wenn also Buddha lehrte, daß das Nirväna schon
bei Lebzeiten erlangt werden kann, so folgte er nur den Anschau
ungen seiner Zeit und seiner Vorgänger. Einigermaßen neu war
nur der Weg, den er einschlug. Nirväna ist also zunächst nur das
Erlöschen des Durstes, das Aufgeben der Freuden dieser Welt.
Aber damit ist noch keine völlige Erlösung gewonnen. Die Er
kenntnis hat nämlich keine rückwirkende Kraft auf die Taten, die
ich vor der Erkenntnis ausgeführt habe, sie vernichtet nicht die
Sarnskäras, die latenten Eindrücke. Die Folgen dieser Taten hat
auch der bei Lebzeiten Erlöste zu tragen. Nach der Erkenntnis
aber, und damit nach der Erlösung bei Lebzeiten, begeht der Er
löste keine Taten mehr, die für die Zukunft vorauswirken, da er
gegen die Dinge dieser Welt gleichgültig ist. Mit der Erkenntnis,
dem Schwinden des Nichtwissens, hört also die Möglichkeit guter
und schlechter Werke und damit die Möglichkeit einer neuen Ge
burt auf. Der Kreislauf des Lebens schließt mit dem Tode. Der
Erlöste stirbt, ohne wieder aufzuwachen. Im Suttanipäta wird er
zählt, daß, als Buddha einst zu Llavi weilte, kurz zuvor der Älteste
Nigrodhakappa, der Lehrer des Vangloa, des Improvisators unter
den Ältesten, gestorben war. Vangisa wollte wissen, ob Nigrodha
kappa baSNirväna erreicht habe oder nicht, und fragteBuddha:„Das
fromme Leben, das Nigrodbakappa geführt hat, war das für ihn
vergeblich? Ist er ins Nirväna eingegangen, oder existieren seine
Skandhas noch?" Der Herr antwortete: „Er hat den Durst nach
Namen und Form in dieser Welt vernichtet, den Strom Märas, in
dem er sich lange Zeit befand; er hat Geburt und Tod restlos über
wunden." „Er hat Geburt und Tod restlos überwunden" heißt, kein
Rest der 8kandba8 ist übrig geblieben; er wird nicht mehr wieder
geboren werden. Und als der Älteste Godbika sich selbst den Tod
gegeben hatte, sagte Buddha: „Godbika, der Sohn guter Familie,
ist ins Nirväna eingegangen, ohne daß seine Denksubstanz sich
irgendwo befindet," und: „Godbika ist ins Nirväna eingegangen,
nachdem er das Heer des Todes besiegt, keine Wiedergeburt mehr
erlangt und den Durst mit der Wurzel ausgerissen hat." „Er ist ins
Nirväna eingegangen" ist im Original Parinibbuto, und so ge
brauchen die Texte, wenn sie genau sprechen, von dem Zustande eines
Toten, der die völlige Erlösung von der Wiedergeburt erlangt hat.