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Ein dritter Warenbesitzer begegnet ihm jetzt als Verkäufer und
genießt seinerseits das Privilegium, die Ware 10°% zu teuer zu
verkaufen. Unser Mann hat als Verkäufer ı0 gewonnen, um als
Käufer ıo0 zu verlieren, Das Ganze kommt in der Tat darauf
hinaus, daß alle Warenbesitzer ihre Waren einander 10%, über
dem Wert verkaufen, was durchaus dasselbe ist, als ob sie die
Waren zu ihren Werten verkaufen ... Unterstellen wir umgekehrt,
es sei das Privilegium dez Käufers, die Waren unter ihrem Wert
zu kaufen. Hier ist es nicht einmal nötig zu erinnern, daß der
Käufer wieder Verkäufer wird. Er war Verkäufer, bevor er
Käufer ward. Er hat bereits 16%, als Verkäufer verloren, be-
vor er 10%, als Käufer gewinnt. Alles bleibt wieder beim
Alten“ 1).
Die Widerlegung ist schlagend. Alle diese Theoreme bleiben
im Privatwirtschaftlichen stecken. Sie betrachten immer nur einen
vereinzelten Kapitalisten. Da läßt sich irgendein Aufschlag auf
seinen Kostenpreis schon irgendwie konstruieren, wenn auch die
Tatsachen und vor allem die Logik hart dabei leiden müssen.
Aber die Ökonomik ist die Lehre von einer Gesellschafts-
wirtschaft; sie ist eine soziologische Disziplin. Man muß nun
einmal nicht einen, sondern alle Kapitalisten zusammen ins Auge
fassen, wenn man den Profit wirklich ableiten will. Dann aber
bleibt es bei dem, was Marx sagte:
„Die Bildung von Mehrwert und daher die Verwandlung von
Geld in Kapital, kann also weder dadurch erklärt werden, daß die
Verkäufer die Waren über ihrem Werte verkaufen, noch dadurch
daß die Käufer sie unter ihrem Werte kaufen.“
Einige gute Köpfe haben das denn auch eingesehen. Zu ihnen
gehören Walras, der meiner eigenen Lösung nähergekommen
wäre, wenn er einen ausreichenden Begriff vom Monopol gehabt
hätte?), ferner Böhm-Bawerk selbst und Schumpeter. Böhm
hat versucht zu zeigen, daß der Kapitalist zwar mehr Geld, aber
dennoch nicht mehr „Wert“ erhält, denn er strecke eine Geldsumme
vor, die er erst nach Ablauf der Produktionsperiode zurückerhalte.
Da aber, kraft einer „perspektivischen Verkürzung“, eine gegen-
wärtige Geldsumme höheren subjektiven Wert habe als eine
künftige, so müsse er für die Wartezeit während des „Produktions-
umweges“ eine Vergütung erhalten, die diese Wertdifferenz er-
I) Kapital, I, S. 123/24:
2) Elements d’Economie politique pure, 4. Aufl., Lausanne, Paris, 1900, S.435/36.