Full text: Wert und Kapitalprofit

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geschlossen wird, so daß der Arbeiter den Monopoltribut abtreten 
muß. Wir wissen, daß überall ein statisches Monopol zugrunde 
liegt, wo auf die Dauer das Austauschbedürfnis von einseitiger 
Dringlichkeit ist. Das heißt nicht, daß nur der eine Teil über- 
haupt das Bedürfnis des Austauschs hat, sondern daß es dem einen 
Teile merklich dringlicher ist als dem anderen. Und solche Dring- 
lichkeit besteht auf Seiten des Arbeiters immer, wenn er einen 
Lohnvertrag abschließt. Er ist seinem Begriffe nach ohne aus- 
reichende eigene Produktionsmittel und ohne ein Besitzvermögen, 
das ihm erlauben könnte, längere Zeit ohne Lohnverdienst zu leben. 
In aller Regel kann er nur kurze Zeit, oft nur wenige Tage, ohne 
solchen Verdienst existieren. Dagegen ist der Kapitalist seinem 
Begriffe nach mit Produktionsmitteln wohl versehen, die er 
äußersten Falles zu Gelde machen könnte, wenn er nicht schon 
ohnehin mit Geld oder Kredit für längere Zeit der Stillegung 
seines Unternehmens versehen sein sollte. Unter solchen Um- 
ständen hat er selbstverständlich im Preiskampfe um den Lohn 
das Übergewicht, und der Monopolgewinn muß sich bilden *). 
Daß also ein Monopol besteht, ist evident. Die Frage 
kann sich nur noch darum drehen, worin es wurzelt. Wir werden 
sie zu stellen haben, wenn wir nicht mehr bloß nach dem Ursprung, 
sondern nach der Höhe des Monopolgewinns fragen werden. Zu- 
nächst wollen wir nur feststellen, daß von Adam Smith an bis 
auf die neueste Zeit herauf kein Theoretiker von einigem Rang 
die Dinge anders gesehen hat, wenn auch kaum ein einziger das 
Verhältnis zwischen Kapitalisten und Arbeiter als ein Monopol- 
verhältnis vollkommen verstanden hat: genannt worden ist es 
so unzählige Male, aber ohne daß sich die betreffenden Autoren 
den Mechanismus klar gemacht hätten, kraft dessen ein solches 
Verhältnis regelmäßig „Mehrwert“ abwirft. Die einzige Ausnahme 
macht vielleicht Lexis, der ausdrücklich folgendes sagt: „Der 
großkapitalistische Unternehmer hat seinen Arbeitern gegenüber 
eine Art von Ankaufsmonopol in bezug der Arbeit“”). Alle 
ältere bürgerliche Ökonomik hat das konstante dringliche Über- 
angebot der Arbeit und den daraus folgenden Druck auf die 
Löhne mit Malthus aus einer „Übervölkerung“ abgeleitet und 
als Monopolwirkung zwar nicht immer bezeichnet, wohl aber ver- 
1) „Der Arbeiter kann nicht warten: daher seine konstitutiv schlechtere Markt- 
position.“ (Goetz Briefs, Grundr. d. Soz. Ök. IX, 1, S. 148). 
2) Handwörterbuch der Staatswissenschaften, 3. Aufl., Ba. VI, S: 773;
	        
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