Full text: Wert und Kapitalprofit

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Produkte zu Markte bringt, ist nach meiner Definition geringer 
qualifiziert; und das stimmt denn auch mit dem allgemeinen Urteil 
überein, entspricht der „soziologischen Bewertung“. Man erkennt 
aus diesen Sätzen, daß Amonn den Begriff Qualifikation als „Fähig- 
keit“ im zweiten Sinne, und zwar in einer noch engeren Bedeutung 
auffaßt, als gewöhnlich der Fall ist. Er denkt offenbar an den 
„qualifizierten Handarbeiter“ und den „hochqualifizierten Geistes- 
arbeiter“, die Produkte ganz anderer „Art“ hervorbringen als die 
„Unqualifizierten“. 
Um aber die Dinge noch vollständiger aufzuklären, wollen 
wir uns noch einmal zur Kinetik und zur Berufswahl zurück- 
wenden. Ich habe in meiner Duplik auf die obigen Ausführungen zu 
diesem Gegenstande folgendes erwidert: Wer einen Beruf wählt, 
sieht sich vor der objektiven Tatsache, daß von den verschiedenen 
Berufen, für die er nach Körperbeschaffenheit, Vorbildung und 
allgemeiner sozialer Lage die „Fähigkeit“ und die äußere Möglich- 
keit besitzt, die einen ein höheres Einkommen abwerfen als die 
anderen. Dem höheren Einkommen auf der Habenseite stehen 
auf der Sollseite gegenüber: längere oder schwerere oder unan- 
genehmere oder gefährlichere Arbeit des Körpers oder Geistes, 
oder geringere Aussicht auf Erfolg: er wird z. B. als subalterner 
Beamter mit großer Sicherheit regelmäßig avancieren, wird 
aber freilich nur ein bescheidenes Einkommen erzielen, während 
er als Anwalt, Arzt, Künstler, Kaufmann usw. zu sehr großem 
Einkommen gelangen — aber auch ganz scheitern kann; oder es 
steht auf der Sollseite geringere gesellschaftliche Ehre: Er wird 
als Bordellwirt besser leben können wie als Handwerker, Sie als 
Prostituierte besser wie als Arbeiterin — und die Unehre fällt 
bei „normalen Menschen“ (von diesem Begriff wird sofort zu 
sprechen sein) schwer ins Gewicht. 
Wenn Er (oder Sie) den geringer bezahlten Beruf ergreift, 
so kann das verschiedene Ursache haben. Er weiß nicht, daß ein 
günstigerer Beruf offensteht, dann ist er gegenüber dem, der es weiß 
und danach wählt, minder „fähig“, wenn auch vielleicht ebenso. „be- 
gabt‘“: denn auch Kenntnisse sind „Fähigkeiten“. Oder: er weiß es 
zwar, traut sich aber die Kraft und Ausdauer nicht zu, um zum Ziele 
zu gelangen, oder fürchtet die Beschwerden oder Gefahren des Be- 
rufes oder glaubt nicht an sein „Glück“, die wenigen großen Chancen 
zu nehmen. Dann ist er gegenüber demjenigen, der den Mut hat 
und danach wählt, minder „fähig“: denn auch Mut und Selbst- 
vertrauen sind Fähigkeiten. Oder schließlich: er schreckt vor der
	        
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