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von bloßen Begriffen). Es handelt sich also um ‚empirische
Begriffe‘ und ‚Erkenntnisse‘, Solche können aber — nach Kant —
niemals rein analytisch sein“.
Wie gesagt, ich bin vollkommen einverstanden. Aber ich
meine, daß das alles unseren Streitfall gar nicht berührt, und zwar
aus folgendem Grunde:
Alle diese empirischen Erkenntnisse usw. liegen unserem
Verfahren bereits zugrunde; sie sind die „Daten“ der theo-
retischen Probleme und als solche „gegeben“, ehe die Deduktion
beginnt. Wir müssen, das ist selbstverständlich, und das haben
wir oben in größter Ausführlichkeit auseinandergelegt, das „Sub-
strat“ und die darauf wirkenden „Kräfte“ empirisch, also aus An-
schauung und synthetischer Erkenntnis, auf das Genaueste kennen,
um unsere Probleme überhaupt nur exakt stellen zu können. Wenn
dann aber die Lösung beginnt, so handelt es sich nur noch um eine
Aufgabe der „Analysis“. Und zwar im streng mathematischen
Sinne: nach der schulmäßigen Definition wird das Wort Algebra
heute gleichbedeutend mit algebraischer Analysis gebraucht.
Ihr erster Hauptteil besteht in der Auflösung von Gleichungen für
eine Unbekannte und Systeme von Gleichungen für ebensoviel
Unbekannte zum Zweck der Bestimmung der Unbekannten. Das
ist genau das Verfahren, das wir angewendet haben. Wir sind, um
an dem elementarsten aller Beispiele zu illustrieren, gerade so ver-
fahren wie bei dem Beweise des Satzes, daß die drei Winkel des
Dreiecks zusammen zwei Rechte betragen. Gegeben sind uns
drei Gerade, die sich in einem Punkte schneiden, und eine, zu einer
dieser Geraden parallele vierte Gerade. Bekannt, d. h. ebenfalls
gegeben, ist uns das Parallelenaxiom. Dann ist evident, daß
die drei Winkel an der Spitze des entstandenen Dreiecks zusammen
zwei Rechte betragen, und es ergeben sich zwei Gleichungen, aus
denen hervorgeht, daß jeder der Winkel an der Basis des Dreiecks
einem der Winkel an der Spitze gleich ist. Und daraus ergibt sich
analytisch der zu führende Beweis,
Gerade so sind wir, nur an einem viel komplexeren System
mit viel mehr bekannten Daten, vorgegangen, haben Gleichungen
gewonnen und aufgelöst, mit dem griechischen Wort: analysiert.
Aber auch nach dem geltenden Sprachgebrauch der Logik
sind die von uns gewonnenen Sätze „analytisch“. Im synthetischen
Urteil, sagt die Schule, wird der Begriff des Subjekts um ein
neues, noch nicht in ihm enthaltenes Merkmal erweitert, während
das analytische Urteil nur (durch Auflösung des gegebenen,
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