Landwirtschaftslehrer hinein. Je mehr man das Abitur als Vorbedingung
für die Ausbildung fürs Leben fordert, desto mehr fällt diese Ausbildung
in die Schule und desto weniger ins Leben. Statt die Examina an den
Hochschulen zu erschweren und alle Leute durchfallen zu lassen, die nichts
Ordentliches wissen, statt dessen erschwert man die Zulassungsbedingungen
und sperrt den Zutritt zur Hochschule immer mehr für die Tüchtigsten,
welche in der Wahl ihrer Eltern unvorsichtig gewesen sind. Und das ge-
schieht in einer Zeit und bei der Ausbildung für einen Beruf, wo alles
darauf ankommt, Menschen zu gewinnen, bei denen Urteil und Können den
Ausschlag geben. So wird unser Bildungswesen immer chinesischer und
unsere Organisationen und Einrichtungen werden immer mehr zu einer
Zwangsjacke, welche das Leben zum Stagnieren bringen, statt ihm auf-
zuhelfen und es fortzuentwickeln.
Ist es da zu verwundern, daß man sich in der Praxis immer häufiger
über die unzulänglichen Leistungen der sogenannten , Vollakademiker“ be-
schwert? Gefördert wird dieses ganze System aber besonders dadurch, daß
der größte Teil der Lehrer an unseren Hochschulen die Bedürfnisse der
praktischen Landwirtschaft gar nicht kennen kann, weil er selbst niemals
praktisch Landwirtschaft gelernt und auch nicht Landwirtschaft studiert hat.
Wir müssen unbedingt dahin kommen, daß auch der Lehrer, der an einer
Landwirtschaftlichen Hochschule Botanik, Physik, Zoologie oder ein sonstiges
naturwissenschaftliches oder volkswirtschaftliches Fach unterrichtet, vorher
Landwirtschaft praktisch und wissenschaftlich erlernt hat. Ein Mann, der
ein praktisch, wissenschaftlich und pädagogisch tüchtig durchgebildeter Land-
wirt ist, kann sich z. B. auch in die Botanik oder in die Physik soweit
hineinarbeiten, daß er die Studierenden einer Landwirtschaftlichen Hochschule
in diesen Fächern gründlich unterrichten kann. Er aber kann allein die
Bedürfnisse des Lebens dabei gebührend berücksichtigen, was ein reiner
Botaniker oder Physiker usw. niemals kann. Vor allen Dingen krankt
unser ganzes Studium an einer viel zu großen Zersplitterung im Unterricht,
die nur zur Vielwisserei ohne genügendes Urteil führt und sich daher auch
niemals zu ordentlichem zielbewußten Können und Handeln ausmünzen
läßt, sondern gewöhnlich dafür sorgt, daß das Selbstbewußtsein im kubischen
Verhältnis zum wirklichen Können steigt. Das wirkt sich dann besonders
beim Geschick oder Ungeschicé im Umgang mit Menschen, sowohl Neben-
geordneten als Untergeordneten, aus. Auf dieses Geschick kommt es heute
aber in der Landwirtschaft mehr denn je an. Wird hier nicht endlich
Wandel geschaffen, so werden die höheren landwirtschaftlichen Lehranstalten,
die eine viel verständigere Organisation und verständigere Unterrichts-
methoden aufweisen, unseren Hochschulen troß des Nimbus, den dieselben
haben, die Studierenden immer mehr wegnehmen, und zwar die besonders
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