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Geld herbekommen, wenn seine Abnehmer kein Geld haben?“ In Agrar-
exportländern ist eben der Bauer der Mann, der das Geld ins Land zieht
und an die anderen Bevölkerungsschichten weitergibt, diese befruchtet. In
Ländern mit überwiegendem Export von Industrieerzeugnissen und auf diesen
eingestellter Industriebevölkerung müssen die Industrien das Geld ins Land
ziehen und damit die Landwirtschaft befruchten. Versagt die Industrie,
so leidet die Landwirtschaft Not.
Die industrielle Bevölkerung eines Landes kann auch ohne eine blühende
heimische Landwirtschaft existieren, wenn sie einen ausreichenden Auslands-
markt für Rohstoffbezug und Fabrikatabsat hat. Die Landwirtschaft eines
Landes aber kann ohne eine kaufkräftige Inlandindustriebevölkerung nur
extensiv betrieben werden, es sei denn, daß sie sich wie die dänische Land-
wirtschaft ebenfalls auf umfangreichen Rohstoffbezug vom Auslande und
Absatz der Agrarprodukte ins Ausland einstellt.
Graf Kanitz hat die Situation der deutschen Landwirtschaft am
28. Oktober v. J. in der Vertreterversammlung des Reichslandbundes sehr
treffend mit folgenden Worten charakterisiert: „Das gefährlichste Moment
für die deutsche Landwirtschaft ist heute, daß sie unter einer Absatkrise,
nicht nnter einer Produktionskrisse leidet. Diese aber hängt mit dem Nieder-
gange der deutschen Gesamtwirtschaft zusammen, die auf der Erlahmung der
europäischen Konsumkraft beruht, welche also keine innerdeutsche An-
gelegenheit allein ist.“
Wie sehr die Kaufkraft unserer Industriebevölkerung gesunken ist, das
erkennt man am besten an der Relation zwischen den Schweinepreisen
einerseits und den Rindviehpreisen andererseits. Je ärmer die Bevölkerung
wird, desto mehr nährt sie sich von Kartoffeln und Schweinefett unter Ein-
schränkung des eigentlichen Fleischkonsums. Auch die Spannung zwischen
den Weizenpreisen einerseits und den Roggenpreisen andererseits, die nie
so groß gewesen ist wie heute, beweist die wachsende Verarmung des deut-
schen Volkes.
Auch erneute Auslandskredite können hier nur soweit helfen, als sie
die Exportfähigkeit der Inlandsindustrie steigern. Das tun sie, soweit sie
an sich gesunde Anlagen, deren Produkte auf dem Weltmarkte noch kon-
kurrenzfähig sind, von den Kriegsschäden befreien helfen, oder wenn sie die
Arbeitsmethoden soweit rationalisieren helfen, daß diese Konkurrenzfähigkeit
erreicht wird. Im übrigen sind sie schädlich, weil sie nichts bedeuten als
eine Erleichterung der Gegenwart auf Kosten der Zukunft. Ein großer
Teil der bisher aufgenommenen Auslandskredite hat dazu gedient, im
Augenblick den in der Inflationszeit angewöhnten Luxuskonsum aufrecht
zu erhalten und wird daher nur den kommenden Katenjammer ver-
stärken.