Full text: Rationelle Betriebsführung im Malerhandwerk

Materialprüfung im Malerhandwerk 
Von Dipl.-Ing, H, Meeß, Karlsruhe 
Über die Bedeutung der Materialprüfung für das Malergewerbe 
und ihre Einwirkung auf die Wirtschaftlichkeit des Betriebes ein- 
gehende Ausführungen zu machen, hieße wohl Kirchen näch Rom 
tragen, Denn jeder Fachmann kennt nur zu gut die Schäden, die ihm 
erwachsen. können, wenn er ihm angebotene Farben und Öle auf 
Treu und Glauben annehmen muß und damit oft — und zwar meist 
wenn es zu spät ist, sich dagegen zu schützen — schlechte Erfahrun- 
gen macht, Erfahrungen, die er nicht nur teuer in barem Geld be- 
zahlen muß, sondern die ihm durch Unzufriedenheit seiner Kunden 
noch empfindlicheren Schaden zufügen können. Andererseits ist aber 
auch in kaum einem anderen Handwerk die Prüfung der Rohmate- 
rialien mit so vielen Schwierigkeiten verknüpft, wie gerade hier, so 
daß es oft schwer fällt, verunreinigte oder verfälschte Waren als 
solche zu erkennen. Diese Schwierigkeiten sind darin begründet, 
daß die Eigenart der Rohmaterialien, also der Farben, Öle usw. Prü- 
fungsmethoden physikalischer und noch weit mehr chemischer Art 
erfordert, Methoden, die nicht nur auf wissenschaftlicher Grundlage 
aufgebaut sind, sondern auch zu ihrer vollständigen Durchführung 
sehr oft eine gründliche fachwissenschaftliche Vorbildung unbedingt 
voraussetzen. Das steht nun allerdings im Widerspruche mit dem 
Bestreben, dem Handwerksmeister die Möglichkeit zu schaffen, die 
in seinem Betriebe notwendigen Rohstoffe selbst auf einfache Weise 
und ohne großen Kostenaufwand rasch und doch mit möglichster 
Sicherheit beurteilen zu können. Diese Schwierigkeiten lassen sich 
selbstverständlich nicht einfach beseitigen, weil sie eben durch die 
Eigenart der Rohmaterialien bedingt sind, Trotzdem gibt es Mittel 
und Wege, um dem Malermeister wenigstens bis zu einem gewissen 
Grade die Beurteilung seiner Materialien zu ermöglichen. Wenn wir 
uns zunächst die in der Praxis allgemein üblichen Methoden der 
Farbenbeurteilung vergegenwärtigen, so sehen wir, daß es sich meist 
um Prüfung der physikalischen Eigenschaften handelt. Der Farben- 
ton, die Feinheit des Kornes, Prüfung der Deckkraft und des Farben- 
aufwandes, der Lichtechtheit und der Widerstandsfähigkeit gegen 
Witterungseinflüsse — all das. ist dem Malermeister aus seiner Praxis 
heraus wohl geläufig, Aber die meisten dieser Proben werden olft- 
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