Objektiver und subjektiver Waldwert. ~1
Die objektive Werttheorie der klassischen Nationalökonomie, welche
„den wirtschaftlichen Wert als eine einheitliche, von den Kosten abhängige
Erscheinung auffaßt“ und „den Bestimmungsgrund des objektiven Tausch-
wertes (Preises) in den von den jeweiligen besonderen Voraussetzungen
abhängigen Kosten erblickt)“, ist in neuerer Zeit mehr und mehr einer
subjektivistischen Auffassung des Wertbegriffes gewichen, die dahin geht,
„daß im letzten Grunde der objektive Tauschwert (Preis) durch den Stand
der subjektiven, persönlichen Wertschätzung bedingt ist.) “. Ein Tausch
kommt in der Regel überhaupt erst dadurch zustande, daß beide
Tauschenden das Gut, das sie erhalten, höher schätzen als das, was sie
dafür hingeben. Der subjektive Wertbegriff wurde insbesondere durch
die österr eichish e Sch u le (Böhm-Bawerk, v. Philippovich,
v. Wieser) vertreten, die, gleichlaufend mit ähnlichen Bestrebungen
namentlich in England, den N u tz e n als entscheidend für das menschliche
Werturteil über die Güter ansah und das Wertproblem mit Hilfe der
Grenznutzentheorie zu lösen suchtes).
Als extrem subjektivistisch ist die Richtung Li e f m an n s zu nennen,
der zu einer Ablehnung des Preises als Wert aus dru > gelangt,
„Weil es überhaupt keine Möglichk eit gibt, Werte
allgemein auszu drü > e n )"“. – „Niemand schätzt ein Gut, das
er kauft, so, wie der Preis es angibt. – Es gibt überhaupt keinen Ausdruck
für subjektive Schätzungen:).“
Von den Wandlungen des Wertbegriffes in der Wirtschaftswissensschaft
hat die Waldwertrechnungslehre bisher in keiner Weise Notiz genommen.
Sie glaubt vielmehr, auf dem Wege der Rechnung einen objektiven,
allgemein gültigen Wert feststellen zu können. So sagt z. B. Endres:
„Als objektiver Vermögens wert oder Tauschwert
(des Bodens) ko m mt nur der Bodenertragswert der
finanziellen Umtriebszeit in Betrachts).“ Darauf, daß
der Bodenertragswert der finanziellen Umtriebszeit je nach dem
Rechnungszinsfuß ein gänzlich verschiedener ist, braucht nicht erst hin-
1) Eugen von Philippovich, Grundriß der Politischen Ökonomie, I. Bd.,
18. Aufl., Tübingen 1923, S. 246.
?) Daselbsst.
s) Vgl. E. von Philippovich, I. c., S. 248 ff.
2) Robert Liefmann, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, I. Bd., 3. Aufl.,
Stuttgart und Berlin 1923, S. 33.
5) Daselbst, Il. Bd., 2. Aufl., Stuttgart und Berlin 1922, S. 199.
s) Max Endres, Lehrbuch der Waldwertrechnung und Statik, 4. Aufl.,
Berlin 1923, S. 86.
G o d b ersen, Forstl. Oekonomik.
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