facher Widerstand gegen die Regierung ist schon ein Grund zur Verfolgung
geworden.
Unter einer solchen Regierung gab es auch keine Pressefreiheit. Ehe man
sie durch das Gesetz beseitigte, wie es später geschehen ist, hob man sie
de facto auf. Viele Zeitungsbetriebe und Journalisten sind überfallen worden,
selbst monarchistische und konservative; manche Betriebe hat man ganz zer-
stört. Später wurde diese Vernichtungspolitik gesetzlich. Man führte die Zen-
sur der Presse und später das Beschlagnahme- und Aufhebungsrecht ein.
Viele der größten konservativen und liberalen Zeitungen waren Gegenstand
täglicher Beschlagnahme, was praktisch ihren Bankerott bedeutete. Einige
der größten wurden unter nichtigen Vorwänden monatelang konfisziert. End-
lich gaben alle ihren Widerstand auf, Entweder sie wurden von Geschäfts-
Jeuten, Vertretern des Fascismus, aufgekauft, oder sie verschwanden. Da
die Journalisten- und Autoren-Vereine eine feindliche Haltung beobachteten,
wurden die Organisationen aufgelöst und durch königliche Kommissäre er-
setzt. Der journalistische Beruf und die Ausgabe von, Zeitungen wurden einer
Kontrolle unterworfen, die selbst in den Ländern des strengsten Despotismus
unbekannt war.
Nachdem auch die Gewerkschaften eingeschränkt und die freien Genossen-
schaften unterdrückt worden waren, wurden die Arbeiter und Bauern durch
die Not gezwungen, in fascistische Gewerkschaften einzutreten,
Die Staats- und Magistratsbeamten stimmten entweder gar nicht oder nur
widerwillig der Regierung bei und wollten sich ihre Bewegungsfreiheit_ er-
halten. Die Regierung strafte sie dafür oder behielt sich wenigstens das Recht
vor, die nicht einverstandenen oder feindlich gesinnten Beamten zu bestrafen
und abzusetzen. Heute kann eine Magistratsperson schon dann abgesetzt wer-
den, wenn sie durch ihre Haltung den Fascismus nicht begünstigt, was in
Italien selbst zur Zeit der Bourbonen nicht geschah.
Nach den sozialistischen Vereinigungen verfolgte man die der Klerikalen
und dann die der Liberalen. Endlich wurde die Freimaurerei unter dem Vor-
wand des Verbots geheimer Verbindungen faktisch abgeschafft. Man erlaubt
heute den Beamten nicht, Freimaurer zu sein, und hat fast in ganz Italien die
Freimaurerlogen zerstört. Die Anstifter der Plünderungen, der Zerstörungen,
der Überfälle wurden jedoch fast nie bestraft oder doch durch spätere Amne-
stien jeder Strafe enthoben.
Zur Erhaltung seiner Organisation mußte der Fascismus allmählich nicht
nur alle innere Freiheit und Unabhängigkeit unterdrücken, sondern auch
gesetzmäßige Erlasse ausgeben und eine Ordnung einführen, die nicht auf
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