der Zustimmung des Landes, sondern auf Diktatur beruht. Es wurde not-
wendig, eine bewaffnete Parteimacht zu schaffen, die zwar vom Staat bezahlt
) wird, aber im Dienste des Fascısmus steht.
Jede absolutistische Monarchie sucht sich auf religiöse oder klerikale Er-
ziehung zu stützen. So hat auch der Fascismus den religiösen Lehrzwang ein-
geführt und Anlehnung an die Kirche gesucht. Aber die katholische Kirche ist
vor allem eine große, religiöse Institution, der religiöse und moralische Wirk-
samkeit näher liegt als politisches Wirken, und hat dem Fascismus niemals
Nachgiebigkeit gezeigt. Die Kirche strebt mit ihrer ungeheueren geistigen
Macht danach, die Volksmassen an sich heranzuziehen, und sie wird nie eine
Regierungspolitik gutheißen, die sich auf Gewalt gründet und gegen das Volk
richtet. In allen katholischen Ländern hegen die reaktionären Parteien den
Wahn, die Kirche könne ihrem Werke förderlich sein. Die Kirche aber, die
durch Jahrhunderte gesehen hat, wie alle großen Schismen das Werk ab-
solutistischer Herrscher waren, und welche die ganze Wichtigkeit kennt, die
T das Volksstimmrecht und die freie Verfassung für ihre Entwicklung be-
Ss deuten, arbeitet allen volksfeindlichen Bewegungen und reaktionären Rich-
tungen offen entgegen. Sie weiß, daß diese Unternehmungen nichts End-
- gültiges sind, und daß den Reaktionen immer Revolutionen folgen, wie der
h Diktatur immer der Krieg.
. Jede unnötige Begrenzung der Freiheit verursacht neue Begrenzung; €s
ır ist so weit gekommen, daß die fascistische Regierung sich als eine nationale
m ausgibt; sie erklärt demnach diejenigen für anti-national, welche anti-fas-
at cistischen Parteien dienen, seien sie auch nur Demokraten, Liberale und
m Konservative. Es ist bereits so weit, daß man Staat und Nation verwechselt
5 wie bei absolutistischen Regierungen, ja noch weiter: man verwechselt Partei
n mit Nation.
Der Führer des Fascismus hat wiederholt seine Gesinnung erklärt: er
EZ glaubt, daß alle nationalen Kräfte: Politik, Industrie, Handel, Universitäten,
a Schulwesen, Banken und Militär unter der gleichen Zucht und Führung
bt stehen müssen und im gleichen Sinne unter der Aufsicht der Regierung wir-
® ken sollen. Erinnert dies nicht an die Reden Wilhelms 11.? Bedeutet nicht
n, der Versuch, die eigene Meinung mit Zwang durchsetzen zu wollen, eine
ü Rückkehr ins Mittelalter ?
In den autokratischen Staatsordnungen, wie in den Reden Wilhelms II.
ht ging man so weit zu behaupten, der Sozialismus bedeute Verwirrung und
;h Gefahr, man müsse wählen zwischen Bibel, Verwirrung und Sozialismus
uf (Bibel, Babel, Bebel). Aber immerhin wagte man nicht, die Grundprinzipien
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