Object: Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

GßOSSBEITANIEN — Auswärtige Besitzungen. 
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Ostindien. Ein im April 1856 veröffentlichter amtlicher engl. 
Bericht gibt eine Uebersicht der seit 1849 in Ostindien den brit. Be 
sitzungen ein ver leibten Staaten. Deren Flächeninhalt wird zu 
118,968 engl, (etwa 5,600 deutsche) Quadr.-Meilen angegeben. Es 
sind: Dschcijmr in Bundelkimd, Sumbulpur in Bengalen, Bughut am 
Scdledj, ein Theil von Sikkim im nordöstlichen Indien, das von Mier 
Ali Morad, einem der Emire von Schule, angefallene Territorium Pegu, 
die Landschaft Dschularam, Sonaputty und Nord-Kaschar, das Terri 
torium Nagpur, Ihansi in Bundelkimd und Budawul in Kandesch. 
Das von Birma eroberte Pegu umfasst 2300 engl. Quadr.-Meilen. Dazu 
kam in der jüngsten Zeit Oud (Audh) mit 24,000 Q.-M. — Die meisten 
dieser Landschaften sind verhältnissmässig stark bevölkert. 
Der Zustand des indischen Volkes ist im Ganzen der kläglichste. 
Während der Taglohn, selbst in Bergwerksbezirken, bis auf 7 Krzr. 
oder 25 Cent, heruntergeht, wobei die Arbeiter für ihre Verköstigung 
selbst zu sorgen haben (nach einer Privatmittheilung eines Freundes 
des Verf. aus Ostindien selbst), beziehen die Europäer die enormsten 
Gehalte. Das Volk wird (siehe engl. Parlamentsverhandlungen vom 
April 1856) in der unmenschlichsten Weise ausgesaugt und ausge 
presst; die Steuern treibt man unter Anwendung von Martermitteln ein, 
welehe jenen der Inquisition gleichkommen. Bei den unbeschreiblichen 
Verschleuderungen reichen aber die Einkünfte nicht aus zur Deckung 
der Bedürfnisse. So haben sich in den nachbezeichneten Jahren fol 
gende Defizite ergeben : 
1851: 1’590,000 Pf. St. 1854: 2’044,177 Pf. St. 
1822 : 1’360,000 - 1855: 2’543,710 - 
1853 : 2’250,000 - 
Die Netto-Einnahme betrug im Rechnungsjahre IS^Vss 24’241,478 
Pf., die Netto-Ausgabe 26’785,188. 
Um eine nähere Uebersicht der Haupteinnahme- und Ausgabe 
positionen zu geben, theilen wir eine uns vorliegende Rechnung über 
die Ergebnisse des am 20. April 1852 zu Ende gegangenen Finanz 
jahres mit, wobei jedoch augenscheinlich, dass die sog. „ausserordent 
lichen Ausgaben“ (oder was sonst das anerkannt vorhandene Defizit 
veranlasste) ausser Ansatz geblieben, wesswegen diese ganze Rechnung 
nur behufs relativer Vergleichungen einigen Werth besitzt : 
Provinzen Einnahme 
Bengalen . . 7’584,435 
Nordwest-Provinzen 5,670,715 
Madras . . 3’704,048 
Bombay . . 2’868,298 
Zusammen 19'827,496 
Ausgabe 
7’112,262 Pf. St. 
1'658,568 
S’204,273 
2’847,392 
14’822,495 
Zu diesen Ausgaben für die Verwaltungskosten kommen: 
Für die allgemeine Schuld . . 1’967,359 Pf. St. 
Ausgaben in England . . . 2’506,377 
Ueberschuss (angeblich) . . 531,265 
Als Roh ein nah me figurirten 26’092,718 Pf. — Die Haupt 
einnahmeposten waren: Landrente 15,025,783, Tribute und Subsidien 
601,855, Sayer und Abkarry (kleine Pachten und Licenzen in Madras)
	        
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