Full text : Der Weg der Reparation

habe bei manchem Anlaß Mitgliedern der Reparationskommission
gesagt, daß es ein großer Mißgriff gewesen sei, von dem finanziell
geschwächten Deutschland eine so gewaltige Zahlung in kürzester
Frist zu verlangen, Die Antwort war stets, daß damit nur das
eigene Angebot der deutschen Regierung vom April 1921 aufgegriffen
 sei. Man habe angenommen, daß sie das Geld habe, sonst
hätte sie das Angebot doch gar nicht machen dürfen, Nun, die
Milliarde war nicht da, sie mußte erst beschafft werden, Da nach
Annahme des Ultimatums der Kurs der Mark sich zunächst
besserte, konnten Devisen für 150 Millionen Goldmark schon
im Mai für die Regierung angekauft und an die Reparationskommission
 gezahlt werden, Ueber den Rest wurden vertragsgemäß
 Schatzanweisungen ausgestellt, die am 31, August 1921
fällig waren, Die vier größten deutschen Banken übernahmen
die von den Alliierten geforderte Bankgarantie, obwohl sie bei
weitem nicht über die nötigen Mittel verfügten, um im Falle der
Not mit dem garantierten Betrage einzuspringen, Es war klar, daß
sie bei jeder Gelegenheit darauf drängten, daß sich das Reich die
nötigen Devisen so schnell wie möglich beschaffen müsse, Die
allgemein bekannte Tatsache aber, daß das Reich binnen kurzem
so gewaltige Mittel benötigte, brachte es mit sich, daß das an sich
schon spärliche Angebot von Devisen in Deutschland immer
knapper wurde, Die Reichsmark, welche vom Januar bis zum
Juni 1921 beinahe stabil geblieben war, begann bei der dringenden
Nachfrage des Reichs nach Devisen wieder stark zu fallen. Je
mehr sie fiel, um so mehr wurden die kostbaren Devisen in
Deutschland zurückgehalten und gesucht, Nach und nach gelang
es, den größeren Teil der Milliarde für das Reich zu erwerben,
Es fehlten aber schließlich immer noch Devisen in Höhe von etwa
400 Millionen Goldmark, deren Ankauf nur auf Kosten einer
gewaltigen Markverschleuderung möglich gewesen wäre, Die Auflegung
 einer inneren Goldanleihe wurde nicht versucht, weil man
einen Mißerfolg fürchtete, Schließlich gelang es, im Ausland,
hauptsächlich in Holland und England, unter schweren Bedingungen
 Kredite auf sechs Wochen aufzutreiben, die in Verbindung
 mit der Hergabe von Gold und Verpfändung von Silber
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