Full text: Der Weg der Reparation

Organisation ‘der Sachlieferungen auf, Die ersten Listen der 
alliierten Regierungen gingen im März und April 1920 ein. Der 
Wert dieser Anforderungen belief sich auf etwa zehn Milliarden 
Goldmark. Ein großer Teil entfiel auf Bauholz und Industrie- 
material, Neben Massenartikeln enthielten die Listen auch 
Tausende von verschiedenen Dingen, welche schwer zu sichten 
und zu ordnen waren, Um keine Zeit zu verlieren, gab die 
Reparationskommission die Listen ohne Einzelprüfung an die 
deutsche Regierung weiter, Diese hatte zwar eine umfangreiche 
Organisation unter dem Reichskommissar für Wiederaufbau ein- 
gerichtet, konnte aber mit der Masse des ihr zugestellten Materials 
wenig anfangen, da die nötigen Spezifikationen und vor allen 
Dingen die Preisangaben fehlten, Erst im September 1920 war sie 
in der Lage, der Reparationskommission Angebote zu übermitteln, 
die aber noch verhältnismäßig wenig Materialien für den eigent- 
lichen Wiederaufbau enthielten, Bausteine und Ziegel, die be- 
sonders dringend benötigt waren, bot Deutschland im Anfang 
überhaupt nicht an. Noch schlimmer stand es mit spezifiziertem 
Material, vor allem Maschinen, deren Lieferung eine genaue 
Durcharbeitung für jeden einzelnen Fall erforderte, Die deutsche 
Regierung suchte zu helfen, indem sie durch ihre Aufbauvertretung 
in Paris eine Reihe von deutschen Firmen namhaft machte, die 
bereit waren, Reparationslieferungen zu machen, Mit diesen 
Firmen sollten die einzelnen Interessenten der alliierten Länder 
in direkte Verbindung treten, um die technischen Bedingungen, 
die Lieferungsfrist und die Preise zu vereinbaren, So kamen die 
Lieferungen gegen Ende 1920 langsam in Fluß, aber das Ergebnis 
blieb unbefriedigend. Auch mit dem besten Willen aller Be- 
teiligten war es nicht möglich, bei der schwerfälligen Organisation 
des Vertrages die Lieferungen so zu gestalten, daß sie mit dem 
Tempo des tatsächlichen Wiederaufbaues irgendwie Schritt halten 
konnten, Denn wie ging die Sache? Der Besitzer eines Hauses 
oder einer Fabrikanlage, die durch den Krieg zerstört waren, 
mußte sich zunächst an seine Regierung wenden, Diese stellte 
alle Forderungen ihrer Staatsangehörigen zusammen und sandte 
sie in einheitlichen Listen an die Reparationskommission, Letztere 
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