wechsel zu spüren, sondern nur ein vorsichtiges, lauerndes Zurückhalten
von zwei Parteien, die sich gegenseitig nicht verstehen.
Auf Wunsch der deutschen Regierung fand am 29, Dezember
1921 eine Sitzung der Reparationskommission statt, in welcher
der deutsche Stundungsantrag begründet wurde, Das Ergebnis
war unerfreulich, Es verschärfte nur die Spannung. Die deutsche
Regierung hielt es für richtig, die Reparationskommission darauf
zu verweisen, daß sie bereits mit einzelnen alliierten Regierungen
vorläufige Besprechungen über die Reparation gepflogen habe,
deren Entwicklung sie nicht vorgreifen wolle, Diese Anspielung
bezog sich auf vertrauliche Unterhaltungen von Dr. Rathenau in
London, Er war nach der Entscheidung der oberschlesischen
Frage offiziell aus dem Kabinett ausgeschieden, ging aber im
Dezember 1921 im Auftrage der Reichsregierung nach London,
um in den Kreisen um Lloyd George und in der City Rat und
Hilfe für Deutschland zu suchen,
Das war ein neuer Versuch, über den Kopf der schwerfälligen
und in sich uneinigen Reparationskommission hinweg unmittelbar
eine alliierte Regierung anzurufen, bei der man ein besseres Verständnis
der deutschen Notlage zu finden hoffte, Rathenau, der
die schweren Enttäuschungen dieser Taktik noch nicht am eigenen
Leibe ‚erfahren hatte, glaubte, daß es ihm gelingen müsse, im
direkten Benehmen mit Lloyd George die Reparationsfrage voranzubringen,
Die freundliche Aufnahme, die er in London fand, bestärkte
ihn in. dieser Hoffnung, Dabei übersah er aber, daß gerade
die Verhandlung mit einer einzelnen alliierten Macht um so
hefticeren Widerstand bei den anderen Alliierten auslösen und
daher der deutschen Sache schaden würde, In diesem Lichte gesehen
wird die Haltung der Reparationskommission gegenüber
dem ersten deutschen Moratoriumsgesuch einigermaßen verständlich,
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