Full text : Der Weg der Reparation

Gelegenheit geben, durch vernünftige Handhabung der Steuern
und durch Sparsamkeit auf allen Gebieten den Haushalt in Ordnung
 zu bringen und dann in aller Ruhe weitere Verhandlungen
zu pflegen, die allmählich zu einer Aenderung des in der bestehenden
 Form unerfüllbaren Londoner Zahlungsplans führen würden,
Die amerikanische Mitwirkung erschien mir zweckmäßig, obwohl
die Reichsbank damals über einen Goldschatz von einer Milliarde
Mark verfügte, mit dem sie unter den genannten Voraussetzungen
die Stützung des Markkurses auf absehbare Zeit hinaus allein
hätte durchhalten können, Aber einmal war es mißlich, Gold zur
Stützung der Mark herzugeben, wenn es irgend zu vermeiden
war, denn bei dem allgemeinen Pessimismus in bezug auf die
deutsche Währung hätte die Spekulation aus der Weggabe des
Goldes neue Nahrung gezogen, Andererseits schien mir der Kredit,
den die Deutsche Reichsbank im Inlande und im Auslande genoß,
keineswegs mehr stark genug, einen alsbaldigen Erfolg zu
gewährleisten, Wenn dagegen ein amerikanisches Bankensyndikat,
etwa unter Führung von J, P, Morgan & Co.,, öffentlich mit der
Erklärung auftreten würde, daß es der Reichsregierung einen sehr
erheblichen. Dollarvorschuß für die Stützung der Mark zur Verfügung
 stelle, so schien mir schon die bloße Ankündigung eines
solchen mächtigen Syndikats genügend, das Vertrauen herzustellen
 und die Markspekulation auf den entgegengesetzten
Weg zu weisen,
Ich fand mit diesen Ideen in Amerika viel Sympathien, aber
auch manchen Widerspruch, Einige Vertreter der Bankwelt, die
mit deutschen Verhältnissen besonders gut vertraut waren, hielten
mir das Argument entgegen, das in Europa fast allerorten als
Axiom galt: die Mark könne sich erst dann wieder erholen oder
stabilisiert werden, wenn das Londoner Ultimatum geändert und
die Reparationsforderungen auf ein vernünftiges Maß zurückgeführt
 seien. Vorher habe es gar keinen Zweck, irgend etwas für
die Hebung der Mark zu tun, Bis dahin müsse man eben Deutschland
 seinem Schicksal überlassen, Gewiß werde unsägliches Elend
über Deutschland hereinbrechen, weil bei einer ständig fallenden
Mark geordnete Verhältnisse nicht mehr lange bestehen könnten.
Zn

13%
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.