670 Einundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
Truppen: die Möglichkeit ja Gewißheit neuer Steuern, sei es
in Form der Kontribution für das platte Land, sei es in
Form der städtischen Akzise, trat hervor.
Demgegenüber herrschte nun im Lande noch die alte pol—
nische Ungebundenheit, bestanden auch noch starke Sympathien
und zahlreiche Verbindungen mit dem Warschauer Königshofe,
der keineswegs schon auf eine Wiedergewinnung des Landes
verzichtet zu haben schien. Es war eine Lage, aus der sich bei
stärkerer Betonung der landesfürstlichen Ziele durch die Ver—
treter des Kurfürsten im Laufe des Jahres 16601 faktiöse Be—
wegungen in Königsberg unter der Führung des Schöppen⸗—
meisters Hieronymus Roth und verdächtige Verbindungen des
Adels mit Polen, unter Zwischenhilfe namentlich zweier Herren
von Kalckstein, herausbildeten: der Abfall des Landes vom
neuen Herrn schien zu drohen.
Da erschien der Kurfürst persönlich im Herbst 1662 mit
ein paar tausend Mann sicherer Truppen in Königsberg, ließ
Roth verhaften und zu ewiger Gefangenschaft abführen, brach
den städtischen Widerstand und verhandelte in unerschöpflicher
Geduld, aber auch unter Anwendung aller Mittel einer skrupel⸗
losen Diplomatie mit den einzelnen Adligen, während die mit—
gebrachten märkischen Beamten sich der Rekonstruktion des
landesfürstlichen Domaniums unterzogen. Das Ergebnis der
vereinten Anstrengungen war schließlich der Landtagsabschied
vom 1. Mai 1663. Es war noch kein voller Erfolg des Kur—⸗
fürsten bis zu der Höhe der von ihm in der Mark und am
Rhein erreichten Stellung. Im Heerwesen blieb er von dem
Einvernehmen mit den Ständen abhängig, sollte auch,
dringende Fälle abgerechnet, keinen Krieg ohne deren Beirat
erklären. Etwas stärker war der Gewinn auf dem Gebiete
der Verwaltung; die Oberräte gerieten hier in das Verhältnis
wirklicher kurfürstlicher Beamter. Besonders hoch schlug es
der Kurfürst daneben an, daß er in bescheidenen Grenzen
Duldsamkeit für den Kalvinismus durchgesetzt hatte; doch
sollten die Oberräte und die Inhaber auch sonst der wichtigsten
Landesämter lutherisch bleiben.