Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

868 Einundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
bisher nur provisorisch geltende Landesteilung als dauernd 
anerkannt wurde. Zur Lösung der zweiten Frage dagegen 
bedurfte es neben einer Politik, die sich zu den Generalstaaten 
so freundlich stellte, daß diese an Eingriffe in die Zustände 
Cleve⸗Marks nicht mehr denken konnten, vor allem der kräftigsten 
Durchführung einer inneren Politik selbst im landesherrlichen 
Sinne. 
Die rechte Zeit hierzu war nach dem Frieden von Oliva 
gekommen, in einer Periode langer, von 1660 bis 1672 
währender Friedensjahre, da der Staat des Großen Kurfürsten 
nach außen hin im Grunde nur ein ausgedehntes, unwegsames 
und aussichtsloses Gestrüpp diplomatischer Verhandlungen zu 
passieren hatte, zugleich aber, wenigstens in den ersten Jahren, 
mit einiger Freundschaft der Holländer gerechnet werden konnte. 
Der Große Kurfürst ging in dieser Zeit sofort ans Werk, und 
schon die Landtagsabschiede der Jahre 1660 und 1661 brachten 
die Hauptergebnisse. Gewiß blieben auch nach diesen die 
Stände noch selbständig genug: sie behielten noch die Ver— 
fügung über 12000 Taler jährlicher Steuern und das volle 
Steuerbewilligungsrecht, sie wahrten ferner das Privilegium, 
sich frei zu versammeln, und das Indigenatsrecht für die Ver⸗ 
waltung der rheinischen Länder: allein zwei Dinge setzte der 
Große Kurfürst dennoch durch, welche die spätere Uniformierung 
der Lande mit den hohenzollernschen Zentralgebieten mächtig 
vorbereiteten: das Recht, ohne Zustimmung der Landstände 
Truppen im Lande zu halten und zu werben, und das Recht 
auf ein eignes, nicht mehr auf die Landtagsabschiede vereidigtes 
Beamtentum. Heer und Beamtentum begannen damit auch 
am Rheine Stützen der brandenburgischen Herrschaft zu werden: 
sie begrenzten allmählich den ständischen Sondergeist, lehrten 
Land und Leute nach Berlin statt nach dem Haag schauen und 
beseitigten damit an ihrem Teile auch den holländischen Einfluß 
innerhalb der clevisch-märkischen Grenzen. 
Viel stärker als am Rheine und auch in Brandenburg 
waren die ständischen Kämpfe, die der Große Kurfürst in 
PBreußen durchzufechten hatte. Denn hier handelte es sich noch
	        
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