Full text : Der Weg der Reparation

SIEBENTES KAPITEL
DER PLAN SEYDOUX UND DIE PARISER
BESCHLÜSSE VOM 29, JANUAR 1921
Durch die Besprechungen in und nach Brüssel hatten sich die
Ereignisse überstürzt, Während bis dahin niemand sich getraute,
mit einem Reparationsplan hervorzutreten, war jetzt ein konkreter
Vorschlag für die vollständige Lösung des Problems bereits
zwischen den Parteien durchgesprochen, freilich aber auch schon
wieder beiseite gelegt. Nun schlug Seydoux im Namen der
Alliierten eine Zwischenlösung für fünf Jahre vor, Das war etwas
ganz Neues, Man mußte sich zunächst im Schoße der deutschen
Regierung darüber klar werden, ob man von der bisher befolgten
Politik der schleunigen Feststellung der gesamten Reparationsschuld
 abgehen und sich auf ein Provisorium einlassen solle,
Bei beiden Wegen gab es viele Für und Wider, Die Erfahrung
hatte gezeigt, daß bei der Ungewißheit über das Ausmaß der
Reparationsschuld der Kredit des Reiches im In- und Ausland so
gut wie verschwunden war, und daß aus demselben Grunde das
Mißtrauen gegen die Markwährung besonders in Deutschland
immer größer wurde, Die Mark hatte sich im Frühjahr 1920 von
dem beständigen Fall seit Friedensschluß kräftig erholt, dann
aber. mit dem Fehlschlag der Konferenz von Spa wieder zusehends
 verschlechtert. Es war daher im Interesse einer durchgreifenden
 Gesundung der Wirtschaft logisch ganz richtig, dem
Uebel an die Wurzel zu gehen und sogleich eine vollständige
Regelung der Reparation anzustreben, Auf der anderen Seite aber
stand schon damals die Erkenntnis, daß es noch für lange Zeit

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