Full text: Der Weg der Reparation

Dann aber erhielt Dr, Simons den Besuch des französischen 
Botschafters und des englischen Geschäftsträgers in Berlin, die 
beide im Namen ihrer Regierungen die Annahme der Zwischen- 
lösung für fünf Jahre empfahlen. Daraufhin mußte ich in neue 
Besprechungen mit Seydoux und Lord d’Abernon eintreten, Ich 
machte geltend, daß die Annuität von drei Milliarden Goldmark 
viel zu hoch gegriffen sei und daß sie wesentlich ermäßigt werden 
müßte, wenn man zu einer Einigung gelangen wolle, Die Gegen- 
seite machte nun den Vorschlag, man könne mit zwei Milliarden 
anfangen und die Zahlungen nach einem bestimmten Wohlstands- 
index steigen lassen, Ich konnte den Vorschlag nicht annehmen, 
erklärte aber, daß er vielleicht eine Grundlage zu Verhandlungen 
biete, wenn er von den alliierten Sachverständigen ihren Regie- 
rungen empfohlen werde, Für eine Verständigung aber sei nach 
wie vor nötig, daß Oberschlesien bei Deutschland verbleibe und 
daß auch die anderen in Brüssel besprochenen deutschen Be- 
dingungen zugestanden würden, vor allem Herabsetzung der 
Besatzungskosten und Freigabe des deutschen Eigentums. 
Soweit waren wir gekommen, als der Oberste Rat am 24. J anuar 
1921 unerwartet zu einer Konferenz in Paris zusammentrat, Außer 
anderen Fragen sollten wiederum die Entwaffnung Deutschlands 
und die Reparation behandelt werden. Die alliierten Sachver- 
ständigen für die Brüsseler Konferenz legten dem Obersten Rat 
eine Denkschrift vor, in der das in Brüssel gesammelte Material 
sorgfältig und verständig verarbeitet war. Sie nahmen den Plan 
Seydoux für ein Provisorium 1921—1926 in der Weise auf, daß 
die Annuität von drei Milliarden Goldmark im Durchschnitt der 
fünf Jahre erreicht werden sollte und daß ein erheblicher Teil 
der Jahresleistungen durch Sachlieferungen abzutragen sei, Sie 
empfahlen ferner die Beschränkung der Besatzungskosten auf 
240 Millionen Goldmark im Jahre und den Verzicht auf weitere 
Lieferungen von deutschen Schiffen. Deutschland sollte seine 
Finanzen in Ordnung bringen und seine Zölle als Pfand für die 
genannten Zahlungen bestellen, Die alliierten Sachverständigen 
brachten also in die Konferenz von Paris ein vollständiges Pro- 
Sramm mit, das besonders von der französischen Regierung ver- 
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