Full text: Der Weg der Reparation

tags (6. März) kamen Lord d’Abernon und Loucheur zur deutschen 
Delegation, Sie erklärten, daß das Provisorium abgelehnt sei, und 
stellten zwei neue Vorschläge zur Wahl: entweder Zahlung von 
je drei Milliarden jährlich auf dreißig Jahre und 25 Prozent Ab- 
gabe vom Werte der deutschen Ausfuhr oder aber Abgabe von 
40 Prozent des Wertes der deutschen Ausfuhr auf dreißig Jahre, 
mindestens aber drei Milliarden jährlich. Keiner der beiden Vor- 
schläge war für Deutschland annehmbar. 
Das Schicksal nahm seinen Lauf, Am nächsten Morgen fand 
die entscheidende Sitzung statt, Dr, Simons griff nochmals auf 
den Vorschlag des Provisoriums zurück und wies darauf hin, daß 
noch vor einigen Wochen sowohl die alliierten Sachverständigen 
wie die alliierten Regierungen selbst das Provisorium gefordert 
und das Definitivum abgelehnt hätten, Er erklärte sich bereit, 
für die ersten fünf Jahre die festen Annuitäten in Höhe der 
Pariser Beschlüsse anzunehmen und daneben einen vollwertigen 
Ersatz für die zwölfprozentige Abgabe von der deutschen Aus- 
fuhr anzubieten. Wenn innerhalb der fünf Jahre keine Ver- 
ständigung über die Gesamtschuld erreicht werde, dann solle es 
bei den Bestimmungen des Versailler Vertrages verbleiben, In 
geschickter Weise betonte Dr. Simons, daß es ungerecht sei, 
Deutschland aus dieser Haltung den Vorwurf einer hartnäckigen 
und vorsätzlichen Weigerung zu machen, für die es bestraft werden 
müsse, Er fand treffliche Worte für die Notwendigkeit der 
deutschen Mitwirkung beim Wiederaufbau Belgiens und Frank- 
reichs und wies an der Hand der Vorschriften des Versailler Ver- 
trages die Rechtswidrigkeit der angedrohten Sanktionen nach. Er 
schloß damit, daß jede Zwangsmaßnahme, die ihren Zweck ver- 
fehle, neue Zwangsmaßnahmen hervorrufen und vom Frieden weg 
zu einem neuen Zustande der Gewalt führen müsse, Nötig sei es 
für alle, aus der ungesunden Atmosphäre der Gewalt in die heil- 
same Atmosphäre freiwilliger Mitarbeit zu gelangen. Wie man 
auch die Schuldfrage entscheiden möge, es handele sich um eine 
gemeinsame Not, die nur durch gemeinsame Anstrengung behoben 
werden könne, Deutschland sei bereit, sich mehr als die anderen 
Länder anzustrengen, 
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