Metadata: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

5. Die Baumwollkultur in Togo. 
351 
die Lage des Weserhafens für die Versorgung seines Konsumgebiets nichts weniger als 
günstig, und tatsächlich wird auch fast der ganze Verkehr der D.-A.-P.-A.-G. über 
Kamburg und Rotterdam geleitet. Wenn trotzdem die Gesellschaft ihren Kandels- 
sih in Bremen genommen und behalten hat, so verdankt das die Stadt den Gründem 
und bisherigen Leitern des Anternehmens, die, Glieder einer bremischen Familie und 
daher mit amerikanischen Kandelsverhältniffen vertraut, zuerst iu Europa die Bedeutung 
des neuen Leuchtstoffes erkannt und im Jahr 1862 mit seiner Einführung begonnen 
haben, die dann dem übermächtigen Emporkommen des benachbarten Elbehafens im 
Jahr 1886 durch die Einstellung des ersten Tankdampfcrs auf dem Atlantischen 
Ozean wirksam entgegengetreten sind und schließlich den Entschluß, sich an die Standard 
Oil Company anzuschließen, zur rechten Zeit gefunden, dem deutschen Anternehmungs- 
geist zugleich den gebührendeu Einfluß gewahrt haben; anders als in den übrigen 
Petroleumgesellschaften seiner Mitgründung, hat der amerikanische Trust nur in der 
D.-A.-P.-A.-G. nicht die Mehrheit der Aktien im Besitz, und deshalb ist diese Gesell 
schaft noch immer als ein bremisches Unternehmen, nicht schlechthin als ein Organ der 
Standard Oil Co. zu bezeichnen. 
Der dritte Zweig, in dem die Weserstadt die Bedeutung eines Weltmarktplatzes 
hat, ist der Tabakhandel; er ist seit jener Zeit hier zentralisiert, in der die bremischen 
Auswandrerschiffe das amerikanische Gewächs als willkommene Rückladung in die Keimat 
regelmäßig mitzunehmen begonnen haben, und dann dank der ihm innewohnenden 
Bcharrungskraft festgehalten worden. Noch heute ist Bremen für ausländischen Tabak 
der wichtigste Markt der Erde, selbst Liverpool überragend und von Amsterdam nur 
im Kandel der ostindischen Marken übertroffen. 
Endlich nimmt Bremen eine selbständige Stellung noch im Kandel mit Reis 
und mit tropischen Nutzhölzern ein, die es aus Indien bezieht; im Amsatz des ameri 
kanischen Getteides erhebt es sich dagegen ebenso wie im Ausfuhrgeschäft nicht über 
Lokalbedeutung hinaus. 
5. Die Baumwollkultur in Togo. 
Von Karl Kelfferich. 
Lselfferich, Die Baumwollfrage. In: Marine-Rundschau. Redaktion: Nachrichtenbureau 
des Reichs-Marine-Amts. Jahrgang. Berlin, <£. S. Mittler & Sohn, igoq. S. 66t—667. 
Die Baumwolle spielt in der gesamten Erwerbs- und Verbrauchswirtschaft der 
europäischen Industriestaaten eine solche Rolle, daß durch die Gestaltung der Baum- 
wollversorgung der Nationalreichtum dieser Staaten und die Lebenshaltung ihrer 
Bevölkerung auf das stärkste berührt werden. Nicht zum wenigsten hängt von der 
Lösung der Baumwollfrage ab die wirtschaftliche Machtstellung des alten Europa 
gegenüber der aufstrebenden und herrschlustigen Tochter jenseits des Ozeans. 
Diese Erkenntnis hat bewirkt, daß im Laufe der letzten Jahre in den verschiedenen 
europäischen Industriestaaten eine rasch anwachsende Bewegung entstanden ist, welche 
die Einführung der Baumwollkultur auf einer möglichst breiten Basis in bisher ver 
nachlässigten Gebieten bezweckt. Abgesehen von Rußland, wo die Verhältnisse durch 
aus anders liegen als in Mittel- und Westeuropa, ist die Bewegung zugunsten der 
Ausdehnung des Baumwollbaus, der „Baumwollkulturkampf", überall aus der privaten 
Initiative der uninittelbar berührten Kreise hervorgegangen, und bei aller Anterstühung, 
die ihr von amtlichen Stellen zuteil wird, zieht die Bewegung auch in ihrer lveitercn 
Entwicklung ans der privaten Initiative ihre beste Kraft.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.