Object: Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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Ziele besser verwirklichen zn sönnen. 22 ) Innerhalb der Großeinkaufs 
genossenschaft hat sich ein Konzern von Kaufleuten gebildet, die die 
„Konsumfilialen — Einkaufsstellen — für die Mitglieder" unter 
halten. „Die in dem Konzern vereinigten Kaufleute haben die außer 
ordentliche Wichtigkeit der Verbindung mit den Hausfrauen erkannt 
und damit den Mitgliedern der Reichsorganisation der Hausfrauen 
viel Entgegenkommen bewiesen, so daß wir bei organisierter Mit 
arbeit von beiden Seiten einen vollen Erfolg erhoffen können." 
Die charakteristischen Vereinbarungen, die getroffen wurden, sind 
folgende: „Ein gemeinsames Preisbildungskomitee, also 
aus Kaufleuten und Hausfrauen bestehend, wird einvernehmlich die 
Preise der wichtigsten Hausbedarfsartikel nach gewissenhafter Prüfung 
der Qualität allmonatlich festsetzen und veröffentlichen (ausgenom 
men sind Artikel, welche Marktpreisschwankungen unterworfen sind). 
Die Mitglieder bekommen eine Rückvergütung, deren Höhe das 
gemeinsame Komitee bestimmt. Der Konzern der Kauf 
leute gewährt den Mitgliedern die freie Zustellung der Waren 
ins Haus. Alle Geschäfte der im Konzern geeinigten Kaufleute 
werden außen gleichförmig aussehen und innen nach drei 
Hauptgruppen (Kolonialwaren, Mehl und Mehlprodukte und 
Delikatessen) getrennt, nett und gefällig eingerichtet sein, so daß, was 
hygienische Erfordernisse beim Einkauf von Lebensmitteln be 
trifft, keine Vorwürfe zu fürchten sind. Alle diesem Konzern ange 
hörenden Geschäfte werden von der Reichsorganisation der Haus 
frauen und von der Großeinkaufsgenossenschaft der Kaufleute be 
obachtet, um den gemeinsamen Vertrag gewissenhaft zur Durch 
führung zu bringen." 
Für dieses Entgegenkommen der Kaufleute bietet die Reichs 
organisation: 
„Eine große, dem besten bürgerlichen Mittelstände angehorige, 
barzahlende, kaufkräftige, organisierte, d. h. disziplinierte Hausfrauen 
masse. Ein Heer denkender und rechnender Hausfrauen, 
welche mit Wohlwollen und Verständnis, mit sozialem Empfinden 
der neuen Konsumvereinsorganisationsform entgegenkommen werden." 
22 ) Zu der Lösung des Verhältnisses mit dem ersten Wiener Konsumverein 
bemerkt Helene Granitsch in „Wohlfahrt und Wirtschaft": „Ich möchte 
aber noch ausdrücklich betonen, daß die Anschauung, die wir in Oesterreich 
über den bürgerlichen Konsumverein gewonnen haben, nicht.maßgebend 
sein kann für andere moderne Großstaaten, in denen andere wirtschaftspolitische 
Verhältnisse herrschen, und in denen eine aufgeklärtere und diszipliniertere 
Bevölkerung andere Voraussetzungen auf diesem Gebiete schafft". (W. u. W. 
Nr. 5 1914, S. 278.) 
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