Object: Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

als abwärts, völlig frei seyn und in Bezug auf den Handel niemanden 
untersagt werden können.“ Bachem gab die 109 Artikel umfassende 
„Uebereinkunft“ im selben Jahre in sehr guter Ausstattung heraus. 
Wie die damaligen Verhältnisse an und auf dem Rhein geartet 
waren, davon erhalten wir ein anschauliches Bild in einem im Jahre 
1830 ohne Verfassernamen erschienenen Buche des Bachemschen 
Verlags: „Kurze Bemerkungen auf einer flüchtigen 
Reise a;m Rhein und durch das Königreich der Niederlande 
im Jahre 1828“. Der Verfasser, ein sehr anregender Beobachter, 
ist, was bisher nicht bekannt geworden sein dürfte, der bereits 
oben erwähnte spätere Minister v. Ladenberg. Die Verkehrsver 
hältnisse am Rhein beschränkten sich damals außer den Reit- 
Fahr- und Schnellposten im wesentlichen auf ein viermal in der 
Woche zwischen Mainz und Köln verkehrendes Dampfschiff. 
Ladenberg gibt bei den besuchten Städten seine Erlebnisse wieder, 
die häufig von ergänzenden oder berichtigenden „Anmerkungen 
des Setzers“ begleitet werden. So nimmt der Setzer, bei dem 
wohl der begründete Verdacht besteht, daß er dem Verleger den 
Mund geliehen hat, u. a. die Kölnerinnen vor dem Vorwurf in 
Schutz, zu große Füße zu haben. 
Für die Geschichte des Verkehrs im 19. Jahrhundert ist end 
lich auch ein Büchlein bemerkenswert, in dem der Direktor des 
Kölner Oberpostamts Rehfeld im Jahre 1831 eine „Uebersicht 
aller zu Cöln am Rhein abgehenden und ankommenden 
Posten“ lieferte. Wir erfahren darin u. a., daß es damals in 
Köln drei Briefkästen gab, in die man unfrankierte Briefe ein- 
legen konnte — die Briefmarke wurde erst 1840 in England aus 
gegeben und in Deutschland erst 10 Jahre später. Im übrigen 
erhält man einen guten Ueberblick über das damalige Netz der 
Posten innerhalb Deutschlands und des Auslandes. 
Neben einigen weniger bedeutenderen Unternehmungen war 
es wohl der Verleger selbst, der im Jahre 1824 durch „Be 
merkungen eines Rheinländers über den Weinbau 
in den Regierungsbezirken Köln und Koblenz, besonders zu Linz 
und in den dortigen Umgebungen. Ein Wink für Eigentümer von 
Weinbergen“ seinen Verlag bereicherte. In dem 32 Seiten starken 
Schriftchen führt er Klage über nachlässige, faule und betrüge 
rische Winzer (Pächter), die damals Halbwinner genannt wurden, 
weil ihnen von den Eigentümern die Hälfte des jährlichen Wachs 
tums zukam. Außerdem war ihnen die Benutzung der sog.
	        
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